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Chiapas entgeht nicht den direkten Folgen des Weltkrieges. Wir erwähnen einige Tendenzen, die sich seit den Terroranschlägen des 11. September zeigen. Wirtschaftliche FolgenDie Koordination des Wirtschaftsrats (Consejo Coordinador Empresarial, CCE) informiert dass als Folge der Rezession in den USA und in Mexiko für Chiapas geplante Investitionen von rund einer Milliarde Pesos für Chiapas zurückgestellt. · Die Gruppe Xcaret hatte einen Erlebnispark in der Schlucht von Sumidero mit einer Investition von 800 Millionen Pesos geplant. Es lag bereits eine Eingabe zur Privatisierung des entsprechenden Terrains und der Plan für eine Abwasserreinigungsanlage vor. · Die Gruppe Axa Yazaki hatte die Erweiterung seiner Maquiladoras für Autoteile in den Gemeinden Cintalapa und Comitán vorgesehen. · Die Gruppe Mayab hatte die Erweiterung des Eisenbahnnetzes von Chiapas nach Yucatán als integraler Bestandteil des Plan Puebla-Panamá mit einer Investition von 140 Millionen Pesos geplant. · Die CCE informierte auch über die negativen Folgen im Tourismus-Sektor, in der Aufforstung der Palma Africana, für die Maquiladoras und die Crevetten-Kulturen. Dazu kommen die Verluste in den Sektoren Kaffee, Bananen, Mango, Mais, Milchprodukte wegen der gesunkenen Preise auf dem internationalen Markt und das nordmamerikanische Embargo für Zucker. · Ausserdem informierte die CCE den Verlust von 35'000 Arbeitsplätzen in den ersten acht Monaten des Jahres bei einer Schaffung von nur 300 Arbeitsplätzen in einer Maquiladora in Cintalapa mit einem Minimallohn von 35.85 Pesos (während ein Kilo Fleisch zwischen 45 und 60 Pesos kostet). Die Armut in den indigenen Gemeinden erreicht die Hungergrenze. Auch der Präsident von COPARMEX (Confederación Patronal de la Republica Mexiana) beklagt den Stopp der Investitionen in Chiapas und rechnet mit einem Verlust von 35% auf den Verkauf von Industrieprodukten. CCE benennt die Situation als „virtuellen wirtschaftlichen Terrorismus“. Auf der andern Seite ist diese gebremste Entwicklung nicht nur schlecht für die Bevölkerung: Die Schaffung von schlecht bezahlten Arbeitsplätzen in Maquiladoras, die Privatisierung von Gewässern mit Crevettenzuchten, die die kleinen Produzenten benachteiligt und die Mangrovenwälder zerstört, die Förderung von Monokulturen mit Palma Africana, Kautschuck und Eukalyptus, die die Biodiversität schädigen, den Boden zerstören und die Bevölkerung mittelfristig zur Auswanderung zwingen, sind keine Indikatoren für eine nachhaltige Entwicklung. Unbeeindruckt davon prahlt das Sekretariat für die ländliche Entwicklung in Chiapas (Secretaria de Desarrollo Rural de Chiapas), dass ein Preisaufschwung für die Frucht der Palma Africana erwartet werde und deshalb 2000 Hektaren Land in Soconusco dafür vorgesehen seien. In diesem Projekt wird der private Produzent 50% der Kosten investieren müssen; Gewinner wird das Unternehmen sein, das das Produkt verkauft. An den Kulturen von Palma Africana ist vor allem das Militär interessiert, weil damit Glyzerin für Kriegsgeräte produziert wird. Tausende von TouristInnen aus Europa und den USA (bis zu 40%) haben ihre Reisen nach Chiapas abgesagt. Die am stärksten betroffenen Orte sind Palenque und San Cristóbal de las Casas, wo die Besetzung der Hotels momentan bei 16% liegt. Die Hotellerie in San Cristóbal de las Casas beschäftigte bisher 2500 Angestellte und 4600 indirekt Betroffene. Man rechnet mit einer Reduktion von 200'000 TouristInnen auf der gesamten Ruta Maya. Viele Reisebüros befinden sich in Krise, einige werden schliessen müssen. In den ersten Wochen nach den Terroranschlägen in den USA fielen die Verkäufe von Industrieprodukten um 30 bis 35%. Dazu kommen die Folgen des Hurrikans Juliette im September, der in verschiedenen Gemeinden Zerstörungen, Tote, Verletzte und materiell Geschädigte zurückliess. Wir müssen (bei der ungenügenden Hilfe durch die chiapanekische Regierung, d.Ueb.) bedenken, dass die Finanzen des Staates Chiapas von den Überweisungen durch die Zentralregierung abhängen, die zum ersten Mal von einer Rezession und von einer Budgetkürzung von einem Drittel spricht. Der aktuelle Weltkrieg wirft auch ein scharfes Licht auf die strategische Wichtigkeit von Chiapas mit seinen natürlichen Ressourcen, die sich vor allem in indigenen Gebieten befinden. Was immerhin keine Rolle spielt in Chiapas, sind direkte Inverstitionen arabischer Länder. Politische FolgenMitten im entfesselten Krieg fanden in Chiapas am 7. Oktober die regionalen Erneuerungswahlen statt, die ausserhalb von Chiapas keine grossen Wellen warfen. Es wurden 40 Abgeordnete für das Regionalparlament und in 118 Gemeinden (municipios) Gemeindepräsidenten gewählt.(s. auch CIEPAC-Bulletin No. 263 „Las elecciones del 2001 en Chiapas“). Es fanden Rückkehren von Vertriebenen innerhalb des Bezirks Chenalhó statt, dessen Gemeindepräsident sich davon einen Stimmenzuwachs versprach. Allerdings sind die Bedingungen für die Rückkehren nicht günstig. Die Paramilitärs geniessen weiterhin Straflosigkeit, und es wurden keine neuen Verhaftungen vorgenommen. Die paramilitärische Präsenz in der Zona Norte ist nach wie vor aktuell. Es werden immer wieder Überfälle mit Todesfolgen für die Überfallenen und Drohungen gegen die RückkehrerInnen gemeldet. Die meisten Vorfälle finden in unmittelbarer Nähe von Militärposten statt. CIEPAC, das Menschenrechtszentrum FrayBa, die Alianza Civica und andere Menschenrechtsgruppen melden, dass verstärkt Sicherheitskräfte in Zivilkleidern in Aktion sind, welche die Büros der Organisationen überwachen (bei CIEPAC wurde ein versuchter Diebstahl von Material knapp verhindert). Nach dem Mord an Digna Ochoa und die Todesdrohungen gegen andere MenschenrechtsverteidigerInnen wächst die soziale und politische Spannung. Unter dem Vorwand der Anthrax-Gefahr werden unsere Briefe und Pakete durch den Servicio Postal Mexicano (SEPOMEX) geöffnet (vor allem Sendungen aus dem Ausland) und die e-mails werden geöffnet. Nicht nur SEPOMEX öffnet Postsendungen, auch private Kurier-Dienste. Und natürlich werden auch unsere Telefone in verschiedener Form und von verschiedenen Institutionen überwacht und gestört. Und die Akteure? Diskreditiert! Die chiapanekische Regierung von Pablo Salazar Mendiguchía hat sich inzwischen von verschiedenen sozialen und zivilen Organisationen, die ihn im Wahlkampf unterstützt haben, getrennt. Andererseits gibt es mehr und mehr Bauernorganisationen, die ihre Schlüsselpersonen in Regierungsposten platzieren. Dies führt zu Konfrontationen mit der EZLN-Basis (Bases de Apoyo), meist rund um die Kontrolle von Land. Die Regierung hat bei verschiedenen Sektoren der Zivilgesellschaft an Sympathie verloren. Sie kritisieren die fehlende Erfüllung von Wahlversprechen, den Missbrauch von Staatsorganen (zur Unterdrückung, d. Ueb), das fragwürdige Justizsystem, die Straflosigkeit für Paramilitärs, das Problem der Vertriebenen und die mangelnde Absprache mit der Organisation Las Abejas, was dazu führen kann, dass sie die Kosten dafür bezahlen müssen. Man beschuldigt Pablo Salazar auch, nichts getan zu haben im Fall der Vertreibungen in der Zona Norte und (blind oder schlecht informiert) Projekte in Zusammenhang mit dem Plan Puebla-Panamá zu unterstützen. Auf der andern Seite gibt es auch positive Veränderungen seit dem Regierungsantritt von Pablo Salazar, die aber mehr im Verborgenen bleiben. Das Justizsystem hat keine Glaubwürdigkeit. Einige Magistraten des Obersten Gerichts von Chiapas sind involviert in Betrugsaffairen und tun alles, um sich straflos und an der Macht zu halten. Die Staatsanwaltschaft überzeugt nicht, auch wenn sie immerhin den Ex-Staatsanwalt wegen Betrugs, Korruption und Veruntreuung öffentlicher Mittel verhaften liess. Diese Tatsache ist ein Fortschritt in der Aufdeckung der Komplizenschaft zwischen der früheren Staatsanwaltschaft und Banden von Delinquenten an der Küste von Chiapas. Die Vorwürfe gegen Funktionäre und Polizei wegen Menschenrechtsverletzungen, Vergewaltigung von Frauen und willkürliche Festnahmen nehmen zu. Auch die Legislative besitzt keine Glaubwürdigkeit.
Es gibt auch hier Vorwürfe wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder und
Korruption und eegen drt Schaffung eines neuen Wahlgesetzes, das die Handschrift
der PRI trägt und vor allem ihr nützt. Das Gleiche trifft auf die Wahlbehörden
zu. An der Schaffung des chiapanekischen Wahlinstituts Instituto
Electoral Federal war ebenfalls hauptsächlich die PRI beteiligt, die
grösstes Interesse hat an der Kontrolle darüber und an der Möglichkeit
weiteren Wahlbetrugs. Die Ergebnisse der Wahlen werden angezweifelt. Die PRI kämpft erbittert und mit allen Mitteln und auf allen Ebenen, um ihre Macht zu erhalten. Dabei ist aber gleichzeitig ein Prozess der internen Auflösung der Partei festzustellen. Verschiedene PRI-Abgeordnete wurden aus der Partei ausgeschlossen oder sind zu andern Parteien übergelaufen.. Die Diözese San Cristóbal de las Casas hat seit dem Weggang von Bischof Samuel Ruíz ihr Charisma verloren. Sie ist nicht mehr die Instanz, die Menschenrechtsverletzungen denunziert, die provoziert und fähig ist, die Menschen aufzurütteln. An die Spitze der Diözesen Tapachula und Tuxtla Guttiérez wurden konservative Bischöfe berufen. Sie verfolgen dieselbe Linie wie der Bischof von San Cristóbal, Felipe Arizmendi. Er löst pastorale Equipen auf, verändert die Struktur der Diözese und die Ausbildung der Seminaristen. Er unterstützt die charismatische Bewegung, die in letzter Zeit in der Diözese an Stärke gewonnen hat. Sie zeichnet sich aus durch Distanzierung von der Basis und durch fehlendes soziales Engagement. Alle drei Bischöfe fallen auf durch fehlende Stellungnahmen und mangelndes Engagement in der problematischen Situation, in der sich Chiapas befindet. Dem emeritierten Bischof Samuel Ruíz wurde am 16. November von der Stadt Nürnberg der Internationalen Menschenrechtspreis der Stadt übergeben. Haupt-Laudator war der Nobelpreisträger Pérez Esquivel aus Argentinien. Den politischen Parteien gelingt es nicht, das Interesse und die Sympathie der Menschen ausserhalb der Wahlen zu wecken (wobei sich auch hier das Interesse in Grenzen hält: die Wahlabstinenz war wieder hoch). Dies ist zum grossen Teil zurückzuführen auf die Ablehnung des Gesetzes von San Andrés über die Rechte und die Kultur der Indígenas und die Enttäuschung über das fragwürdige Wahlgesetz. Die Parteien unterliessen es, Diskussionen über wichtige Themen, wie zum Beispiel der Plan Puebla-Panamá und andere Megaprojekte, die amerikanische Freihandelszone ALCA (Area de Libre Comercio de Las Americas), der Preissturz von Kaffee, Mais und Zucker zu thematisieren. Die Kandidaten auf den Wahllisten kommen meist aus andern Parteien, wechseln oft von einer Partei zur andern auf der Suche nach Unterstützung, die sie bisher nicht erhielten. Während die Regierung von Vicente Fox (Exekutive und Legislative) die Gegenreform des Gesetzes von San Andrés unterstützt hat, glänzt der Regierungskommissar für Chiapas, Luis H. Alvarez, und der Koordinator für die Bürgerallianz (Alianza Ciudadana), Rodolfo Elizondo, durch Abwesenheit in der Öffentlichkeit und im Chiapas-Konflikt. Alvarez beschränkt sich mit wenig Autorität auf Aufrufe an die EZLN, sich an den Verhandlungstisch zu setzen – wie wenn die Vorbedingungen dazu gegeben wären. Die COCOPA (Comisión de Concordia y Pacifiación), schon lange gespalten und ohne klare Linie, ist aufgelöst. Die Überwachungskommission (Comisión de Verificación de los Acuerdos) hat nie funktioniert und existiert nicht mehr; ihr Büro in San Cristóbal de las Casas wurde geschlossen. Die EZLN hüllt sich nach wie vor in Schweigen und befindet sich vermutlich im Zustand des verschärften Alarms (alerta roja) über die Zeit der Wahlen hinaus und in Erwartung der Reaktion der Öffentlichkeit. Es scheint, dass der „Heilige Krieg“ um Bin Laden und die harte Reaktion von Bush den Krieg in Chiapas auf den zweiten Platz der internationalen und nationalen Aufmerksamkeit gesetzt wurde. Dabei geht er aber unvermindert weiter und könnte sich bald noch verschärfen. Es scheint in der aktuellen Situation schwierig, die Aufmerksamkeit für die zapatistischen Anliegen aufrecht zu erhalten. Dabei läge es auf der Hand, den Chiapas-Konflikt im Zusammenhang mit der internationalen Situation zu sehen, die gemeinsamen Wurzeln der Krise zu thematisieren, sich als Teil einer weltweiten Bewegung für den Frieden und gegen den Terrorismus (auch des Staatsterrorismus) und die Globalisierung zu sehen, die offensichtliche Folgen für die indigenen Gemeinden hat. Aber es ist offensichtlich, dass im Moment jede soziale Bewegung in Gefahr ist, Opfer exzessiver staatlicher Kontrolle und militärischer Repression zu werden mit dem Argument, terroristische Attacken zu verhindern. Aber die Gesellschaft darf sich nicht einschüchtern und lähmen lassen durch den weltweiten Belagerungszustand. Während seines kürzlichen Spanien-Besuches sagte Vicente Fox „die EZLN ist friedlich und ruhig“. Er drückte erneut seinen Wunsch nach einem Treffen mit dem Subcomandante Marcos aus, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Fox wörtlich: „Nachdem die EZLN im Kongress sprechen konnte, ermöglicht durch die Regierung und den Präsidenten, und nach den weiteren Anstrengungen der Regierung zur Befriedung haben wir nichts mehr von ihr gehört.“ Fox betonte, dass das neue Gesetz über die Rechte und die Kultur der Indigenen Völker, das vom Kongress angenommen wurde, eines der fortschrittlichsten der Welt sei. Er gab zu, dass nicht alle damit zufrieden seien, aber: „Wir werden diese Angelegenheit revidieren, um alle zufrieden zu stellen.“ Es scheint, als ob sich Fox in einer permanenten Wahlkampagne befände. Er verspricht andauernd und sagt, was alle hören wollen. Das Image von Fox als Präsident eines demokratischen Rechtsstaates, der die Menschenrechte schützt, verblasst aber mehr und mehr angesichts schwerer Menschenrechtsverletzungen wie die Morde an einer grossen Zahl von Frauen in Chihuahua, die aktenkundigen Verbrechen von Militärs und Funktionären im sogenannten „schmutzigen Krieg“ der siebziger und achtziger Jahre, dem Massaker von Aguas Blancas von 1968, dem Mord an Digna Ochoa und zwei Richtern in jüngster Zeit – um nur einige von vielen gravierenden Ereignisse zu nennen. Die Bauern- und Indígena-Organisationen sind stark in ihren lokalen Kämpfen, und sie sind auf dem Weg, die Abhängigkeit ihrer lokalen Situation (die Krise der Landwirtschaft, die Militarisierung und Paramilitarisierung, die drohenden Vertreibungen von ihrem Land) im Zusammenhang mit der Globalisierung, dem Plan Puebla-Panamá, den Freihandelsabkommen zu sehen. Aber es gibt keine Einheit im politischen Kampf. Viele Allianzen und Beziehungen sind zerbrochen. Fragen wie die Beziehungen zum Staat und
der neuen chiapanekischen Regierung polarisieren die verschiedenen Gruppen;
die Meinungen über die Regierung gehen diametral auseinander. Viele Gruppen
in Chiapas sind führungslos, seit ihre Führungskräfte Regierungsfunktionäre
geworden sind. andere Zusammenschlüsse, vor allem von Bauernorganisationen und kirchlichen Gruppen, zu Themen wie Biodiversität, Plan Puebla-Panamá, Wahlen oder Mediation bei Konflikten in Gemeinden. Aber bisher est es ihnen nicht gelungen, politisch Einfluss zu nehmen. Die verschiedenen Positionen in ihrem Verhältnis zum Staat polarisieren auch sie. Militärische FolgenMit der Kriegserklärung von Präsident George Bush an den internationalen Terrorismus und die Schaffung eines Antiterrorgesetzes, verstärkt sich international und in unserem Land die militärische Option zur Lösung von Konflikten aller Art. Die Regierung von Vicente Fox ist schwach, mit vielen internen Widersprüchen. Sie hat keine klar definierte Linie. Militärs und Drogenhändler haben diese Schwäche ausgenützt und haben verschiedene Schlüsselposten besetzt. Dadurch ist das Militär die einzige starke Kraft im Land. Nach dem 11. September verstärkte Vicente Fox die Präsenz der Armee in den indigenen Regionen mit strategischen Ressourcen (Erdöl, Wasserkraft etc.). Der Chef der VII. Militärregion in Tuxtla Gutiérrez informierte, dass
auf Grund eines Befehls des Verteidigungsministeriums (SEDENA) alle militärischen
Einrichtungen und die Truppen an der guatemaltekischen Grenze und in der
Zona Norte von Chiapas verstärkt wurden. Die Marine ist
in Alarmbereitschaft. In Chiapas hat die Armee weder an Terrain noch an strategischer Kontrolle und Truppenstärke verloren, im Gegenteil, sie verstärkt und verändert ihre geographischen Positionen, kontrolliert die Büros der Fremdenpolizei und ersetzt dort die bisherigen Vertretungen der Gemeinden. Die Armee kontrolliert auch die Polizei von Chiapas (Policia del estado) und die nationalen Präventiven Polizeitruppen (Policia Federal Preventiva). In der Gemeinde Nicolas Ruiz wurde ein neues Militärcamp installiert. Die Armee rechtfertigt ihre Präsenz mit der Bekämpfung des Terrorismus, der Guerilla, des Drogenanbaus und –handels, des Waffenhandels, des Menschenhandels mit MigrantInnen, mit dem Schutz der strategischen Ressourcen. Der „Krieg gegen den Terrorismus“ bedroht aber mehr die indigenen Gemeinden als die terroristischen Paramilitärs, die in Chiapas omnipräsent sind. Es wurden neue Drohungen von Paz y Justicia gegen die zapatistische Basis bekannt. Auf der „Liste der Terroristen“ erscheint auch die EPR (Ejercito Popular Revolucionario, die seit 1996 in Chiapas präsent ist. Gleichzeitig haben die Armee-Patrouillen (vor allem in Municipios Autónomos), die Strassensperren und die (auch sexuellen) Belästigungen der Bevölkerung zugenommen, einer Bevölkerung, die sich nie irgendwelcher terroristischer Aktion schuldig gemacht hat, sondern immer den Dialog und die politische Lösung des Konflikts gesucht hat. Seit Beginn des Konflikts in Chiapas schickt die Armee hohe Offiziere an Militärakademien in den USA, Chile, Guatemala (Schule der Kaibiles), Venezuela, El Salvador, Frankreich, Brasilien, Israel, Kolumbien, Perú, England und Spanien. Laut Verteidigungsministerium (SEDENA) waren es seit Beginn des Chiapas-Konflikts 1000 Offiziere. Das Internationale Institut für Strategische Studien informiert, dass der Konflikt in Chiapas bis heute 300 Millionen US$ gekostet hat (50 Millionen mehr als der Krieg zwischen Ecuador und Perú im Jahr 1995).. Die Megaprojekte schaffen neue Konflikte. Die Bevölkerung der Gemeinde Huitiupán wird unter Druck gesetzt, den Bau des Wasserkraftwerks Itzantún, das 11 Millionen Hektaren Land unter Wasser setzen wird, zu akzeptieren. Das gleiche erlebt die chiapaenikische und guatemaltekische Bevölkerung, die entlang dem Grenzfluss Usumacinta lebt. Die indigene Bevölkerung vergisst nicht die gewalttätigen Vertreibungen und die Massaker beim Bau des Staudamms des Flusses Chixoy in Guatemala, der finanziert wurde mit Geldern der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank. Von Vertreibung bedroht sind auch die indigenen Gemeinden in den Montes Azules in der Selva Lacandona. Vorwand ist der Urwaldschutz. Es ist klar, dass nach den Vertreibungen die Region in die Hände von Multis fallen würde, die vorgeben, die Biodiversität des Urwaldes ohne Präsenz der Bevölkerung zu garantieren. Soziale FolgenDie Situation für MigrantInnen, die die Grenze von Guatemala nach Mexiko überqueren wollen, hat sich durch die rigiden Grenzkontrollen verschärft. Muslimische Flüchtlinge und MigrantInnen werden scharf kontrolliert, oft verhaftet. Die wirtschaftliche Situation ist geprägt von der weltweiten und nationalen Rezession. Wie Wie im ersten Kapitel dieses Bulletins erwähnt, sind die Preise für die Exportprodukte wie Kaffee, Ananas, Avocados, Honig, Mais, Zurcker, Bananen, Palmöl in den Keller gefallen, die Auswanderung in die USA angesichts der verschärften Grenzkontrollen im Moment fast unmöglich. Die Regierung wird vor allem für die Megaprojekte des Plan Puebla-Panamá internationale Investitionen suchen, um so Arbeitsplätze für jene zu schaffen, die von ihrem Boden vertrieben werden. Die einzige Alternative für die indigene Bevölkerung, die diese Projekte ablehnt, besteht in der Realisierung integraler alternativer Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Nahrungsmittelsicherheit. Der Bodenbesitz muss kollektiv (unter Einbezug der Frauen) legalisiert werden. Wer heute den Boden verlässt, wird ihn verlieren. Gleichberechtige wirtschaftliche Beziehung und Selbstversorgung sind echte Alternativen zum globalisierten Wettbewerb und zum Gewinn um des Gewinns willen. Eine andere Welt ist möglich! Gustavo Casto Soto und Onecimo HidalgoQuellen: Quehacer Politico, Cuarto Poder, Páginas, Expreso
de Chiapas, Foja Coleta, Diario de Chiapas, Proceso, Proceso Sur, CIEPAC.
Center for Economic and Political Investigations of Community Action, A.C. CIEPAC is a member of the, Mexican Network of Action Against Free Trade (RMALC) www.rmalc.org.mx, Convergence of Movements of the Peoples of the Americas (COMPA ) www.sitiocompa.org, Network for Peace in Chiapas, Week for Biological and Cultural Diversity www.laneta.apc.org/biodiversidad, the International Forum "The People Before Globalization", Alternatives to the PPP http://usuarios.tripod.es/xelaju/xela.htm, and of the Mexican Alliance for Self-Determination (AMAP) that is the Mexican network against the Puebla Panama Plan. CIEPAC is a member of the Board of Directors of the Center for Economic Justice http://www.econjustice.net and the Ecumenical Program on Central America and the Caribbean (EPICA) http://www.epica.org.
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