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Chiapas al Día, No. 312
CIEPAC
Chiapas, México
27. September 2002

Der Plan Puebla-Panama in Kürze
17 Fragen und Antworten zum besseren Verständnis des PPP

Seit Präsident Vicente Fox im Jahr 2000 den Start des Plan Puebla-Panama (PPP) bekannt gegeben hat, sind hunderte von Artikeln und Analysen zu diesem Thema erschienen, ja sogar bereits ganze Bücher (1). Aber für viele Menschen ist der PPP immer noch neu und unbekannt, und daher wollten wir eine kurze Zusammenfassung des Themas erarbeiten, eine erste Einleitung, die hoffentlich schon bald durch weitere Studien ergänzt werden wird. Für weitere Informationen können die Leser unsere Homepage (http://www.ciepac.org) besuchen, auf der es einen Extra-Teil über den PPP gibt.

Diese kurze Zusammenfassung wollen wir nach den folgenden Fragen gliedern:
  1. Kann man den PPP in wenigen Worten zusammenfassen?
  2. Wer treibt den PPP voran?
  3. Steht der PPP mit der Nordamerikanischen Freihandelszone NAFTA in Verbindung?
  4. In welchem Zusammenhang steht der PPP mit anderen Plänen?
  5. Wer wird am PPP gewinnen?
  6. Am PPP werden doch nicht nur die US-amerikanischen Konzerne gewinnen, oder doch?
  7. Warum hat man diese Region ausgewählt? Was hat Mexiko mit Mittelamerika zu tun?
  8. Warum haben die internationalen Unternehmen bisher noch nicht investiert?
  9. Was genau wird der PPP tun, damit sich die Konzerne für Investitionen interessieren?
  10. Welches sind die wesentlichen Bestandteile des PPP?
  11. Wo kommt das ganze Geld für den PPP her?
  12. Welche Auswirkungen wird der PPP auf die Entwicklung haben?
  13. Welche Umwelt-Aspekte hat der PPP?
  14. Wird es denn gar keine positiven Auswirkungen für die Armen geben?
  15. Gibt es Alternativen?
  16. Was tun die Organisationen und die Menschen, um gegen den PPP zu demonstrieren?
  17. Was kann ich tun?
Na, dann wollen wir mal anfangen...
  1. Kann man den PPP in wenigen Worten zusammenfassen?
  2. Tatsächlich ist der PPP einfach zu verstehen. Es handelt sich dabei um ein riesiges Projekt zum Aufbau von Infrastruktur, um grosse Unternehmen in diese Region zu locken, die aus den neun südöstlichen Bundesstaaten Mexikos und den sieben mittelamerikanischen Ländern besteht.
  3. Wer treibt den PPP voran?
  4. Angeblich ist es vor allem Mexiko, das den PPP mehr als alle anderen vorantreibt, der schliesslich von Vicente Fox vorgeschlagen sein soll. Aber in Wirklichkeit hat er in den Plänen und Projekten der Weltbank und der Interamerikanischen Entwicklungsbank für Mexiko und Mittelamerika seine Vorläufer. Nach der Amtsübernahme durch Präsident Fox im Dezember 2000 hat seine Regierung verschiedene regionale Projekte in Mexiko und Mittelamerika zu einem Paket namens PPP zusammengeschnürt. Dieses Paket präsentierte Fox dann am 15. Juni 2001 seinen mittelamerikanischen Amtskollegen auf einem Gipfeltreffen in El Salvador, wo es anschliessend angenommen wurde.
  5. Steht der PPP mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA in Verbindung?
  6. NAFTA ist das Handelsabkommen, das 1994 in Kraft trat und die "Regeln festlegt" für den Handelsaustausch zwischen Mexiko, Kanada und der Vereinigten Staaten. Jetzt haben die Vereinigten Staaten vor, diese Regeln auf den Handel mit den 34 Ländern in Nord-, Mittel-, Südamerika und der Karibik (ausser Kuba) auszudehnen, und zwar durch einen als Amerikanisches Freihandelsabkommen (spanisch: ALCA) bekanntes Handelsabkommen. ALCA hat eine geopolitische Dimension von grosser Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Es wird einen Handelsblock "vom Yukon bis nach Patagonien" unter der Vorherrschaft der Vereinigten Staaten schaffen, um so seinen engeren Handelskonkurrenten, nämlich den Europäern und den Asiaten, entgegentreten zu können. ALCA stellt den gesamten amerikanischen Kontinent unter US-amerikanische Handelsdominanz. So sind die Handelsabkommen (NAFTA und ALCA) eine Notwendigkeit, um das "richtige Ambiente" zu schaffen, das die grossen Unternehmen suchen. Der PPP geht noch weiter, indem er Milliarden von Dollar aus Regierungsquellen in die Entwicklung der von den grossen Unternehmen geforderten Infrastruktur-Entwicklung umleitet.
  7. In welchem Zusammenhang steht der PPP mit anderen Plänen?
  8. Der PPP steht mit einem anderen Infrastrukturprojekt in Südamerika in Verbindung, das Initiative für die Regionale Integration von Südamerika (spanisch: IIRSA) genannt wird. Der PPP und die IIRSA verfolgen dasselbe Ziel: Die Schaffung oder der Ausbau von Basisinfrastruktur, um grosse Unternehmen dazu zu bringen, in der Region zu investieren. Die neue oder verbesserte Infrastruktur würde die Gewinne der Unternehmen erhöhen, zum Beispiel durch den Bau neuer Strassen, die den Gütertransport nach oder von der Region erleichtern. Aber die Kosten für diese Infrastrukturprojekte werden zum grössten Teil auf die Menschen der teilnehmenden Länder zurückfallen. Die Arbeiten werden durch die Verwendung unserer Steuern finanziert, oder durch Kredite der Interamerikanischen Entwicklungs- und Weltbank, die ebenfalls eines Tages von den Steuerzahlern zurückgezahlt werden müssen.
  9. Wer wird am PPP gewinnen?
  10. Vor allen Dingen die grossen US-amerikanischen Unternehmen werden sich auf der Gewinnerseite sehen. Der PPP wird die Investitionen durch multinationale Unternehmen in einer Region erleichtern, die reich an Erdöl, Mineralien, Wäldern, Biodiversität, Wasser und touristischen Sehenswürdigkeiten ist. Es ist eine der biologisch vielfältigsten Regionen der Welt, was sie für pharmazeutische Unternehmen, Saatguthersteller oder Genforscher attraktiv macht. Ausserdem handelt es sich um eine durch ihre Geografie strategisch wichtige Zone, da sie die schmalste Stelle Amerikas darstellt und somit ein natürlicher Korridor für den Ost-West-Handel ist.
  11. Am PPP werden doch nicht nur die US-amerikanischen Konzerne gewinnen, oder doch?
Natürlich kann das investierte Kapital aus jedem Teil der Welt stammen, um die Gewinne im PPP-Raum zu erhöhen. Aber aus einigen Gründen werden es doch vor allem die US-amerikanischen Unternehmen sein, die sicherlich die grössten Gewinne einfahren, und zwar aus folgenden Gründen:
  • Auch wenn es schmerzt, es sagen zu müssen, aber die Region des PPP ist schon seit dem 19. Jahrhundert der "Hinterhof" der Vereinigten Staaten, und seit dem hat dieses Land hier immer seine politischen und wirtschaftlichen Interessen durchgesetzt. So auch in ungewöhnlicher Deutlichkeit der US-amerikanische Aussenminister Colin Powell: "Unser Ziel mit dem ALCA ist es, den nordamerikanischen Unternehmen die Kontrolle über ein Territorium zu sichern, das vom Nordpol bis zur Antarktis verläuft, freier Zugang, ohne jedes Hindernis oder Schwierigkeit, für unsere Produkte, Dienstleistungen, Technologie und Kapital in der gesamten Hemisphäre." (2)
  • Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 haben die Sicherheitsstrategen der Vereinigten Staaten ihr Interesse an Mexiko und Mittelamerika kundgetan.
  • George W. Bush hat im Januar 2002 ein neues Freihandelsabkommen mit Mittelamerika vorgeschlagen.
  • Präsident Bush hat vom Kongress seines Landes die Genehmigung erhalten, Abkommen im Eilverfahren ("fast track") auszuhandeln, was ihm dabei helfen wird, neue Handelsabkommen wie ALCA voranzutreiben.
  • Der grösste Anteil des Handels Mexikos und Mittelamerikas, und zwar sowohl Export wie auch Import, wird mit den Vereinigten Staaten vollzogen. Im Fall Mexikos gehen 85 Prozent aller Exporte in die Vereinigten Staaten und ein ähnlich hoher Anteil der Importe kommt daher. Auch Mittelamerika hängt in seinem Aussenhandel ähnlich stark von den Vereinigten Staaten ab, wenn auch in geringerem Anteil. (3)
All dies zeigt, dass die US-Konzerne am stärksten in dieser Region vertreten sind.
  1. Warum hat man diese Region ausgewählt? Was hat Mexiko mit Mittelamerika zu tun?
  2. Die offizielle Erklärung lautet, dass dies mit dem Anreiz für ausländische Investitionen in eine an natürlichen Ressourcen reiche aber mit einem der höchsten Armutsniveaus Amerikas versehene Region zusammenhängt. Von Welt- und Interamerikanischer Entwicklungsbank dazu veranlasst, schlug die Regierung Fox den PPP als einen Mechanismus, die Armut der Region auf eine "integrale" Art und Weise zu begrenzen, vor. Für Fox und die neoliberalen Strategen muss die Armut begrenzt, aber nicht notwendigerweise gelöst werden (was zunächst zu der Frage führen würde, warum es arme Menschen überhaupt gibt). Nach der neoliberalen Vorstellung begrenzt man Armut durch die Schaffung von Arbeitsplätzen, die angeblich mit den Investitionen der internationalen Konzerne kommen werden, sobald diese sich dazu entscheiden, in den PPP-Raum zu investieren.
  3. Warum haben die internationalen Unternehmen bisher noch nicht investiert?
Die multinationalen Unternehmen suchen ständig auf der ganzen Welt nach Möglichkeiten, ihre Gewinne zu steigern, aber gerade da es überall Konkurrenz gibt beim Anlocken von Investitionen, können die Konzerne ihre Bedingungen diktieren und wählerisch sein. Sie wollen, dass die Dinge nach ihren Vorstellungen laufen, und das heisst, dass sie die Nadelöhre in der Infrastruktur beseitigt haben wollen. Und das soll, bitte schön, die Regierung erledigen. So fragen sich beispielsweise die Unternehmen, warum sie Fabriken in einer Region errichten sollen, wenn es dort keine verlässliche Energieversorgung gibt. Wenn das Strassennetz in schlechtem Zustand ist, wie sollen dann die Rohstoffe zu den Fabriken kommen und die fertigen Produkte zum Verbraucher? Wenn grosse Flächen Land für den Anbau von zum Export bestimmten Monokulturen benötigt werden, fragen die Konzerne nach, ob die einheimischen Bauern schon von diesen entfernt worden sind. Das selbe fragt man sich im Augenblick, da man mit interessanten Pflanzen und Mikroorganismen in biologisch reichen und vielfältigen Regionen Geld verdienen kann. Sind die indigenen Völker deshalb umgesiedelt worden, um den Zugang der Unternehmen ohne Verzögerungen und unnötige Probleme zu erleichtern? Die Konzerne wollen diese Fragen gelöst sehen, bevor sie auch nur einen Pfennig investieren. Und das zusätzlich zu den traditionellen Geschenken der Regierungen: Boden gratis, auf dem sie ihre Fabriken errichten können, Strom, Wasser und Gas ebenfalls gratis, ausserdem jahrzehntelange Steuerbefreiungen, Ausbildung der Arbeitskräfte auf Kosten der Regierung und anderer Anreize.
  1. Was genau wird der PPP tun, damit sich die Konzerne für Investitionen interessieren?
  2. Einer der Hauptbestandteile des PPP ist der Bau von Fernstrassen. Zwei Achsen werden eingerichtet, eine an der Golfküste, von der texanischen Grenze bis zur Halbinsel Yucatan, mit Zubringern nach Belize, Guatemala und Honduras. Die andere Achse verläuft entlang der Pazifikküste, von Mexiko-Stadt über Guatemala und ganz Mittelamerika bis nach Panama. Ein weiterer Bestandteil ist der Bau von Staudämmen. Etwa 25 Staudämme sind für den PPP-Raum vorgesehen, die die für die Industrialisierung der Region benötigte Energie erzeugen und ausserdem die Nachfrage des US-amerikanischen Strommarktes sättigen sollen. Dieser Punkt ist derjenige, der die grösste Gefahr für die indigene Bevölkerung birgt, da tausende Hektar bestelltes Land überflutet werden sollen, was zur Zerstörung von archäologischen Stätten, Urwäldern, indigenen Dörfern und sogar Städten führen wird. Es ist von mindestens zwei, möglicherweise sogar fünf Staudämmen am Usumacinta-Fluss die Rede, der die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala bildet. Ausserdem stellen wir fest, wenn wir auf die Karte des PPP-Raumes blicken, dass es sich dabei um die schmalste Stelle Amerikas handelt. Man wird hier viel Infrastruktur errichten, um den Golf von Mexiko besser mit dem Pazifischen Ozean zu verbinden. Ein "Trockenkanal" im Isthmus von Tehuantepec, der schmalsten Stelle Mexikos, ist bereits im Bau, der den Verkehr von Produkten und Containern im Ost-West-Handel beschleunigen wird.
  3. Welches sind die wesentlichen Bestandteile des PPP?
  4. Der PPP besteht aus acht Teilen. In offiziellen Dokumenten werden diese normalerweise in folgender Reihenfolge aufgeführt:
    1. Nachhaltige Entwicklung
    2. Menschliche Entwicklung
    3. Vorbeugung und Milderung der Folgen von Naturkatastrophen
    4. Stärkung des Tourismus
    5. Handelserleichterung
    6. Integrierung der Verkehrsnetze
    7. Integrierung der Stromnetze
    8. Integrierung der Telekommunikationsnetze
Tatsächlich aber sind es die letzten vier Punkte dieser Liste, die für die Regierung Fox am bedeutsamsten ist, also die Infrastruktur, die benötigt wird, um zu Investitionen durch die internationalen Konzerne in den PPP-Raum anzureizen. Die Finanzmittel stehen grösstenteils dem Ausbau des Verkehrsnetzes zur Verfügung, gefolgt von der Integrierung der Stromnetze und den Handelserleichterungen. Jeder dieser Bestandteile hat seine eigenen "Megaprojekte", insgesamt sind das 28.
  1. Wo kommt das ganze Geld für den PPP her?
  2. Die Rede ist von zehn Milliarden US-Dollar für den PPP, aber es gibt auch Quellen, die von 25 Milliarden ausgehen. Die grössten Geldgeber sind die Interamerikanische Entwicklungsbank, die Weltbank,, die Europäische Union, die Andine Förderungsgesellschaft (spanisch: CAF), die Mittelamerikanische Bank für Wirtschaftliche Integration (spanisch: BCIE), sowie die Entwicklungshilfe-Einrichtungen der Vereinigten Staaten, Japans, Spaniens und anderer Länder. Einige Länder im PPP-Raum benutzen Steuergelder, um Infrastruktur zu schaffen oder zu verbessern. Mexiko beispielsweise sieht in seinem Haushaltsplan 2002 550 Millionen US-Dollar für den PPP vor (ein Rückgang von ursprünglich geplanten 742 Millionen US-Dollar). Der grösste Teil dieses Geldes (etwa 84 Prozent) fliesst in den Strassenbau. Einige private Unternehmen haben Fonds zur Finanzierung bestimmter Infrastrukturprojekte zur Verfügung gestellt, mit dem Ziel, die Wettbewerber zu überrunden und so den Markt als erste zu kontrollieren. Ein Beispiel dafür findet sich im Bereich der Integrierung der Stromnetze. Dieser Plan wird die Stromnetze Mittelamerikas und Mexikos miteinander verknüpfen, was 405 Millionen US-Dollar kosten wird. Das spanische Unternehmen ENDESA stellt davon 45,8 Millionen US-Dollar zur Verfügung, womit es Teilhaber am entstehenden Netz wird.
  3. Welche Auswirkungen wird der PPP auf die Entwicklung haben?
  4. Das hängt davon ab, was man unter Entwicklung versteht. Der PPP ist ein Plan zum Bau von Infrastruktur, die ausländische Investitionen in die Region ziehen soll. Daher ist der PPP dazu geschaffen, unternehmerische Interessen wahrzunehmen. Einige seiner Projekte (siehe Liste unter Frage 10) sollen angeblich die Armut begrenzen, aber es sind genau diese, die die kleinsten Budgets erhalten und die geringsten Fortschritte zeigen. Die neoliberalen Wirtschaftswissenschaftler sagen, der PPP bringe die "soziale Entwicklung" voran, indem sie annehmen, die private Investition schaffe Arbeitsplätze und mit der Arbeit löse sich die Armut auf. Aber diese Vereinfachung ist absurd. Investitionen welcher Art auch immer, öffentlich oder privat, führt nicht automatisch zu einem höheren Lebensstandard für den grössten Teil der Bevölkerung, wenn man zuvor nicht einige Schritte unternommen hat, um die strukturelle Ungerechtigkeit, die im politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen besteht, zu beseitigen. Tatsächlich verschlimmern die Investitionen häufig sogar die Armut, wie es in den letzten zwanzig Jahren neoliberaler Politik geschehen ist und noch immer geschieht, denn die bestehende Ungerechtigkeit ist nicht beseitigt worden, und die Reichen und Mächtigen gewinnen immer mehr an ihren Investitionen. Im PPP sind keine politischen Tätigkeiten enthalten, um die Wurzeln der strukturellen Armut zu beseitigen. Die Pläne und Projekte entstehen mit der Mitarbeit der grossen Unternehmen, für die sie gedacht sind, und nicht für die 65 Millionen Menschen in der Region, in zum grössten Teil in extremer Armut leben (75 Prozent leben von weniger als zwei US-Dollar pro Tag). Viele soziale Organisationen sind aus verschiedenen Gründen gegen den PPP, von denen einer der wichtigsten die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zur Steigerung der Gewinne der Konzerne ist, ohne Rücksicht auf die Menschen, die direkt von den realisierten Projekten betroffen sind. In der Region des PPP leben ungefähr hundert verschiedene ethnische Gruppen, von denen die Mehrheit noch nie etwas vom PPP gehört hat. Und wenn die Regierung und/oder die Bank ihnen etwa darüber erzählt, verbinden sie dies mit vagen Versprechungen von Bauten und Einkünften für einige Gruppen.
  5. Welche Umwelt-Aspekte hat der PPP?
Ein anderer Grund dafür, dass sich soziale Organisationen dem PPP entgegenstellen, ist, dass der PPP die Umwelt der Region verwüsten wird. Einer seiner wichtigsten Bestandteile ist der "Biologische Korridor Mittelamerika", eines der teuersten Projekte der Weltbank der vergangenen Jahre mit dem Ziel, verschiedene biologisch reiche und vielfältige Teile des PPP-Gebietes miteinander zu verknüpfen. Obwohl dieses Projekt angeblich die Flora und Fauna der Region schützen und erhalten soll, werden diese Korridore für pharmazeutische, Saatgut herstellende und andere Unternehmen geöffnet, die Zugang zum Bioreichtum und zur Patentierung neuer Materialien suchen. Das Unternehmen Pulsar, einer der grössten Bio-Konzerne weltweit, hat bereits einen Vertrag mit Conversation International geschlossen, um im Lacandon-Urwald von Chiapas arbeiten zu können. Conversation International schreibt sich offiziell zwar den Umweltschutz auf die Fahne, aber sein Vorstand besteht aus Vertretern grosser Konzerne wie beispielsweise Navigation Technologies Corp., Eagle River Inc. (Telekommunikation), Hyatt Development Corp., First Philippine Holding Corp. (eine riesige Gas- und Elektrizitätsfirma), USA Networks und andere. Wenn man also die Verbindungen und Interessen grosser Konzerne zur Kenntnis nimmt, fällt es schwer darüber hinwegzusehen, dass der PPP eher ein Plan zur Ausbeutung der Energie und natürlichen Ressourcen ist als zur Entwicklung der Region.

  1. Wird es denn gar keine positiven Auswirkungen für die Armen geben?
  2. Es ist schwierig einzuschätzen, was das für Effekte sein werden. Wenn wir uns vor Augen halten, dass der PPP ein Plan für grosse Konzerne ist, fällt es uns leicht zu verstehen, dass alle seine Aspekte dazu gedacht sind, die Gewinne zu erhöhen und nicht, die Armut zu bekämpfen. Ist ist klar, dass ein zehn Milliarden US-Dollar schwerer Plan zur Bekämpfung der Armut völlig anders aussehen müsste, mit dem Fokus auf den Bau von Schulen, Landkliniken, Wirtschaftswegen auf dem Land, um die Produkte auf den Markt zu bringen, anstelle von mautpflichtigen Autobahnen, Wasserkraftwerken und so weiter. Aber wenn wir uns schon nach möglichen Auswirkungen umschauen: einer der besonders gelobten Effekte des PPP ist die angebliche Schaffung von Arbeitsplätzen. Tatsächlich handelt es sich dabei um Arbeitsplätze in den Maquiladoras, wie sie bereits seit 1966 an der mexikanischen Nordgrenze funktionieren. Der grösste Teil der Maquiladoras sind Fabriken zur Montage von Produkten, die Einzelteile aus anderen Ländern importieren und mit der billigen Arbeitskraft hier in Mexiko zusammenmontieren. Dank ihrer Beschaffenheit müssen die Maquiladoras praktisch keine einzige Bedingung seitens der Regierung oder des Landes erfüllen, in dem sie sich befinden, keine Umweltauflagen, keine Gesundheitsbedingungen, weder Arbeitsrecht noch –schutz, keine Gewerkschaften. Genauso wenig erlauben sie andere Bedingungen, wie beispielsweise den Kauf von vor Ort hergestellten Einzelteilen oder die Übermittlung von Technologie und Know-How an das Land, in dem sie sich befinden. Die Produktion der Maquiladoras hat nichts mit den Bedürfnissen des Gastgeberlandes zu tun, sondern richtet sich allein nach den Bedürfnissen der Konzerne, die sie eingerichtet haben. Trotzdem muss man sagen, dass die Maquiladoras einer Million Menschen entlang der mexikanischen Nordgrenze Arbeit gegeben haben. Aber abgesehen von den niedrigen Löhnen, die sie zahlen, haben sie fast nichts zum Rest der Wirtschaft beigetragen. Trotz einer bestimmten Dynamik (die in den letzten Jahren nachgelassen hat) ist es aufgrund der Trennung von Maquiladoras und dem Rest der Wirtschaft fast unmöglich, andere Sektoren davon profitieren zu lassen. Trotzdem ist es das, was man durch den PPP in Mexiko und Mittelamerika einrichten will. Die Verbesserung der Infrastruktur, die der PPP uns bringen wird, die niedrigen Löhne, die in Mexiko und Mittelamerika gezahlt werden, sorgen dafür, dass die Konzerne Maquiladoras in der Region installieren werden, die theoretisch die Landbevölkerung, die durch die Projekte des PPP (wie die Staudämme) von ihrem Land vertrieben werden, auffangen sollen.
  3. Gibt es Alternativen?
  4. Ja, die gibt es, und zwar ziemlich weit ausgearbeitete. So hat beispielsweise die Kontinentale Soziale Allianz (spanisch: ASC), eine Allianz von verschiedenen sozialen Organisationen aus der gesamten amerikanischen Hemisphäre, einen alternativen Vorschlag zu den Freihandelsverträgen und Abkommen, die uns die Reichen und Mächtigen durch den PPP aufdrücken wollen, ausgearbeitet. Dieser Vorschlag ist von hunderten von Organisationen aus ganz Amerika unterstützt worden. Die Dokumente der ASC kann man auf ihrer Homepage (http://www.asc-hsa.org) oder auch auf der des RMALC aus Mexiko-Stadt (http://www.rmalc.org) finden.

    Laut Global Exchange "wollen die Strategen und Gelehrten uns glauben machen, dass die Globalisierung der Konzerne ein natürliches Phänomen sei. Dabei gibt es nichts, was weniger zutreffend wäre. Tatsächlich ist der momentane wirtschaftliche Prozess, als ‘Globalisierung’ bekannt, von einigen Konzernen geplant und vorangebracht worden. Aber es gibt auf der ganzen Welt Menschen, die eine Alternative schaffen: die Globalisierung der Basis oder eine Globalisierung des Volkes, die wirtschaftliche, soziale und politische Gerechtigkeit an die erste Stelle stellt, wenn man von Handel und Investition spricht. Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es Bürgergruppen, die ein ‘Alternatives Abkommen für Amerika’ ausgearbeitet haben, das Vorschläge für den Aufbau von Handelsbeziehungen enthält, die sozial verantwortungsvoll und umwelttechnisch nachhaltig sind." (http://www.globalexchange.org)

  5. Was tun die Organisationen und die Menschen, um gegen den PPP zu demonstrieren?
  6. Bis jetzt hat es drei regionale Treffen über den PPP gegeben, an denen Organisationen aus Mexiko, Mittelamerika und anderen Teilen der Welt teilgenommen haben. Diese Treffen sind im März 2001 in Chiapas, im November 2001 in Guatemala und im Juli 2002 in Nicaragua abgehalten worden. Das vierte Treffen ist für März 2003 in Honduras geplant. Die Teilnehmerzahlen an diesen Treffen ist von 300 Teilnehmern in Chiapas auf über 1200 Vertreter von 400 Organisationen in Nicaragua stetig angewachsen. Die Teilnehmer an diesen Treffen haben ein umfassendes Nein! zum PPP formuliert. In jedem einzelnen der acht Länder im PPP-Raum gibt es Organisationen, die die Aufklärungs- und Protestaktionen koordinieren, und in Nicaragua hat man für den 12. Oktober 2002 einen internationalen Protesttag ausgerufen. Die Aktionen an diesem Tag werden von Land zu Land unterschiedlich sein, aber sie werden die Schliessung der Grenzübergänge, Protestmärsche zu den Baustellen von PPP-Projekten, Demonstrationen an Niederlassungen der Interamerikanischen Entwicklungsbank und der Weltbank in jedem Land und so weiter beinhalten.
  7. Was kann ich tun?

Informiere Dich über den PPP und erzähle davon auf Deinem Arbeitsplatz, in Deinem Viertel oder in Deinem Dorf. Lass Dich fortbilden, um Aufklärungssitzungen abhalten zu können. Es gibt Organisationen, die Dich gerne darauf vorbereiten, zum Beispiel das RMALC in Mexiko-Stadt. Es ist wichtig, den Menschen den Zusammenhang zwischen PPP und ALCA nahezubringen. Erzähle den Leuten, dass es Alternativen zur Globalisierung der Konzerne gibt, und dass die ASC Vorschläge und Alternativen ausgearbeitet hat. Verbreite die Tatsache, dass die Gegner der Globalisierung sich organisieren, und dass man bereits Siege über die Globalisierung der Konzerne errungen hat. Hier in Mexiko und Mittelamerika haben sich die Aktivisten, Organisationen und einfachen Bürger dreimal innerhalb eines Jahres getroffen, um Nein! zum PPP zu sagen. Und dass wir die Solidarität der Zivilgesellschaft brauchen. Finde heraus, wie und auf welche Art und Weise Deine Organisation gegen den PPP am 12. Oktober 2002 demonstrieren kann, und schliesse Dich den Aktivitäten anderer Gruppen an. Fussnoten:

  1. Eines der umfassendsten Werke ist eine Serie von Aufsätzen, die in "Mesoamérica, los Ríos Profundos: Alternativas Plebeyas al Plan Puebla-Panamá" von Armando Bartra, Instituto Maya, Mexiko-Stadt 2001, erschienen sind.
  2. Osvaldo León, "Movilización Continental contra el ALCA", Agencia Latinoamericana de Información, 24. Januar 2002,

    http://alainet.org/docs/1698.html

  3. Die Ziffer für Mexiko beträgt 85,1 Prozent von 1994 bis 1998, laut einer CEPAL-Studie von Enrique Dussel Peters, "El Tratado de Libre Comercio de Norteamérica y el Desempeño de la Economía en México", Mexiko-Stadt 2000, LC/MEX/L.431, Seite 20
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