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Chiapas al Día, No. 382
CIEPAC
Chiapas, México
28. Oktober 2003

Coca-Cola
Die dunkle Geschichte des dunklen Wassers
(Erster Teil)

Das Unternehmen Coca-Cola und einige seiner Führungskräfte wurden schon vor langer Zeit  beschuldigt, in Steuerflucht, Betrug, Mord, Folter, Bedrohung sowie Erpressung gegenüber gewerkschaftlich organisierten Arbeitern, Regierungen und Firmen verwickelt zu sein. Und sie wurden beschuldigt, sich selbst mit Armeen und paramilitärischen Gruppen in Südamerika zu verbünden. Amnesty International und andere weltweite Menschenrechtsorganisationen haben diese Fälle aus der Nähe verfolgt. Seit über 100 Jahren wirkt das Unternehmen Coca-Cola auf die Situation der Bauern und Indigenen, die Zuckerrohr anbauen, ein, indem es ihren Rohrzucker entweder aufkauft oder eben nicht. Es verfolgt die Absicht, den Zucker durch Stärke von genverändertem Mais aus den Vereinigten Staaten zu ersetzen. Jawohl, die Erfrischungsgetränke der Marke Coca-Cola enthalten genveränderte Substanzen sowie jedes andere industriell hergestellte Produkt, das Stärke enthält. Haben Sie sich schon einmal die Zutaten vorgestellt, die auf den Packungen der industriell verarbeiteten Produkte angegeben sind?

Coca-Cola hat auch auf das Leben der Kokaproduzenten Einfluss. Das Unternehmen ist gleichermaßen für den Wassermangel in manchen Gegenden wie für Änderungen in der öffentlichen Politik, wie Privatisierung der lebenswichtigen Flüssigkeit, verantwortlich. In vielen Ländern hat es Einfluss auf die Wirtschaft, auf die Glas- und Plastikindustrie sowie die Industrie anderer Inhaltsstoffe des Getränks. Das Unternehmen hat, außer auf die Wirtschaft und Politik, auf die Kultur direkt eingewirkt und sie verändert, von Chamula in Chiapas bis Japan oder China über Russland. Coca-Cola ist das bekannteste Getränk der Welt, das am weitesten verbreitete Produkt auf dem Planeten und ist heutzutage in 232 Ländern erhältlich. Das sind viel mehr Länder als die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) Mitgliedsländer hat. Seine Gewinne können den Haushalt verschiedener armer Länder überschreiten.

Die Firma setzt die kleinen Händler mit Exklusivitätsverträgen unter Druck und erpresst sie. Sie bedroht die Dame aus dem kleinen Laden von nebenan, ob sie außer Cola wohl noch ein anderes Getränk verkaufen wolle. Sie zieht große Mengen an Quellwasser ab und bereichert sich auf Kosten des Ejido- , Kommunen-, Gemeinde- und Bundeslandes sowie des Landes der Bauern und Indigenen. In Chiapas geht sie den wasserführenden Bodenschichten des Landes nach, sponsert Schulen und bemalt Basquetballplätze, um sich mit der Bevölkerung gut zu stellen. So viele trinken Coca-Cola, von den Indigenen und Zapatisten bis hin zu den „Linken der Linken“ , doch anderswo auf der Welt erhalten Tausende und Abertausende ihren Widerstand und ihre Boykott-Kampagnen gegen die Coca-Cola-Produkte aufrecht. Einige indigene Comunidades in Chiapas, darunter auch zapatistische, haben ihr Gebiet zur Coca-Cola-freien Zone erklärt oder beschlossen, diese Produkte nicht zu konsumieren. Aber es gibt ein Problem: Was ist die Alternative, wenn es in vielen ländlichen Gebieten kein gereinigtes oder abgefülltes Wasser gibt? Da kommen wir zur lokalen Problematik und ihren Alternativen. Zunächst wollen wir die Geschichte dieser transnationalen Firma sehen, die so umstritten ist und deren Produkte doch gleichzeitig auf der Welt am meisten konsumiert werden.

Die Koka-Vorgeschichte

Die Pflanze Erythroxylon coca wurde hauptsächlich in der Andenkordillere Südamerikas kultiviert. Ihr wird heute das Kokain entzogen, das psychoaktive Wirkungen hervorruft. Über 1.000 Jahre lang wurden Kokablätter von der indigenen Bevölkerung dieses Gebiets verwendet, obgleich das von den Indigenen gekaute Kokablatt im Vergleich zur puren Kokainsubstanz zwar die gleichen Wirkungen hervorruft, aber in einer Größenordnung von 1%. Für die Inkas in Peru hatten die Blätter dieser Pflanze eine hohe rituelle und religiöse Bedeutung. Durch sie konnten sie auch die körperlich anstrengenden Arbeiten leisten.

Zwanzig Jahre vor der Erfindung von Coca-Cola gelang es um 1860 einem Chemiker in Deutschland, aus dem Blatt der peruanischen Kokapflanze pures Kokain zu gewinnen. Er hieß Albert Niemann. Damals wurde bewiesen, dass die Wirkungen der Blätter durch das Kokain hervorgerufen werden. Der in Österreich geborene Siegmund Freud, der später Psychiater werden sollte, war zu der Zeit kaum vier Jahre alt. Später, als er schon in der Medizin forschte, begann er die Wirkungen zu analysieren, die das Kokain hervorruft und das damals häufig verschrieben wurde, um Ängstlichkeit, Depression und Morphiumabhängigkeit zu verringern. Ernst Fleisch, ein Medizinerfreund Freuds, begann, Kokain zu nehmen, um die Schmerzen aufgrund seiner Daumenamputation zu lindern. Allmählich stieg seine Kokainabhängigkeit mit zunehmend höheren Dosen. Er war einer der ersten Psychosefälle aufgrund von Kokain. Später, 1905, sollte das Prokain als Lokalanästhetikum ähnlich dem Kokain entdeckt werden.

Die medizinischen Wirkungen des Kokablattes führten im Umfeld des Krieges  und der sozialen Depression zu einer enormen Nachfragesteigerung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war  Europa aufgrund seiner Kolonialbeziehungen zu Südamerika Hauptkonsument, später stieg dann in den Vereinigten Staaten die Nachfrage immer mehr. Dreizehn Jahre vor der Erfindung von Coca-Cola, im Jahre 1863, erfand der Chemiker und Unternehmer Angelo Mariani den „Vino Mariani“. Er ließ seine Formel, die aus in Wein verdünntem Extrakt des Kokablattes bestand, sofort patentieren. Bald wurde er zum populärsten Getränk Europas, das Verdauungsstörungen und andere allgemeine Leiden kurierte. Einige Jahre später, im Jahre 1876, brachte ein Quäker aus Philadelphia sein Hires Root Beer, eine Mischung aus wilden Beeren und Wurzeln, auf den Markt. Unterdessen wurde in Lateinamerika und in der Karibik viel Blut vergossen - die Völker kämpften gegen die europäische Kolonisation für ihre Unabhängigkeit.

Der Ursprung von Coca-Cola

 Es war das Jahr 1831, als John Pemberton in Knoxville im Staate Georgia, Vereinigte Staaten, geboren wurde. Schon mit 17 Jahren studierte er an der Schule für Botanische Medizin im selben Staat. Später verkaufte er diverse patentierte medizinische Produkte, darunter das ‚Große Stärkungsmittel von Dr. Sandorf‘ oder „Eureka Öl“. Als Erfinder, Unternehmer, Chemiker und Pharmazeut hatte Pemberton direkten Zugang zur Welt der Drogen wie das von Peru importierte Kokain, Morphium und Marihuana. Einige Biographien beschreiben ihn als Coronel des Heeres aus dem Süden der Vereinigten Staaten, der „aus Gewohnheit morphiumabhängig war“

1880 ließ Pemberton, inspiriert von der Erfindung Angelo Marianis, offiziell einen sehr anregenden Kokawein registrieren. Dann gründete er die Pemberton Chemical Company. Anfangs enthielten seine Getränke einen alkoholischen Saft, den er als „französischen Kokawein, ein ideales Tonikum“ beschrieb. 1886 erreichte der Alkoholkonsum in der Stadt Atlanta einen Höhepunkt. Überall waren Betrunkene. Die Industrialisierung des Landes und die schwindelerregenden Veränderungen in der Wirtschaft und im Lebensstil führten zu zahlreichen sozialen Störungen. Viele Heilmittel wurden erfunden, um die Symptome der nordamerikanischen Moderne zu lindern. Da kam der Arzt auf die Idee, mit Kokaextrakt ein nicht-alkoholisches medizinisches Getränk herzustellen - dazu sollte Koka aus Peru importiert werden. Er war 54 Jahre alt, als er den berühmten Sirup erfand, der für einige Biographen zufälligerweise anstatt mit reinem Wasser mit kohlensäurehaltigem Wasser vermischt war, wodurch diese prickelnde Mischung entstand.

Man begann, das Getränk in der Stadt Atlanta mit viel Erfolg zu verkaufen und man warb damals für ein „wirkungsvolles Tonikum für Gehirn und Nerven“. Im selben Jahr brachte die Apotheke Jacobs von Atlanta das erste Glas Coca-Cola zum  Verkauf, ein Getränk, das aus Kokablatt, Colanuss, Koffein, einigen Essenzen und verschiedenen Ölen zubereitet wurde. In der ersten Werbeanzeige in der Zeitung Atlanta Journal vom 27. Mai 1886 wurde das Getränk als „köstlich, erfrischend, anregend und stärkend“ dargestellt. Es war aber Frank Robinson, der das Logo und den Namen „Coca-Cola“ erfand, indem er die Namen der Inhaltsstoffe kombinierte. So wurde das Getränk 1887 bekannt gegeben, in dem Jahr, in dem die Formalitäten für das Patent über die Inhaltsstoffe des Getränks liefen. Die Marke aber ließ er nie registrieren.

Zu Beginn und aufgrund der medizinischen Eigenschaften wurde Coca-Cola zunächst in Bars verkauft, die keine Alkoholikas anboten und die mehrheitlich zu den Apotheken der damaligen Zeit gehörten. Das Produkt wurde als Erfrischungsgetränk in Bars und als Heilmittel für die Schwindsucht beschrieben. John Pemberton konnte aber seine Erfindung nicht lange genießen - er starb am 16. August 1888 im Alter von 57 Jahren. Die Zeitungen nannten ihn „den ältesten Apotheker Atlantas und einen ihrer anerkanntesten Bürger“. Kurz vor seinem Tod verkaufte er seine Formel an Asa Candler, der bald nicht nur zum reichsten Mann Atlantas und der Vereinigten Staaten , sondern zu einem der reichsten Männer der ganzen Welt werden sollte.

Der zweite Besitzer, der reichste Mann

Es sieht so aus, als habe er 2.300 US$ für das Unternehmen bezahlt, aber es ist nicht klar, wie er die Rechte an Coca-Cola bekommen hat. Der Anwalt Price Gilbert, der für Asa Candler gearbeitet hat, sagte zu einem Freund: “Wenn ich über die Anfänge von Coca-Cola erzählen würde, wäre mein Bericht sehr kompromittierend“. Irgendwie war Asa Candler schon 1889 der einzige Eigentümer des Unternehmens Coca-Cola. Sein Ehrgeiz war furchtbar. Der Witwe des Erfinders von Coca-Cola, Cliff Pemberton, verweigerte er sogar eine monatliche Rente in Höhe von 50 US$. In diesem Jahr notierte Candler, daß „die Nachfrage nach den Produkten unsere Angebotskapazität überschritten hat (...) Im Schnitt verkaufen wir 7.580 Liter pro Tag, davon ca. 3.790 an Atlanta“. Bis dahin hatte er 22.500 US$ für Zutaten ausgegeben und die Gewinne waren noch größer. Ende desselben Jahres beschrieb er die Lage der Firma folgendermaßen: „Wenige Unternehmen werden eine zufriedenstellendere finanzielle Situation aufweisen können“, sagte er und verkündete, daß der Verkauf 1.061.200 Liter Sirup pro Jahr überschritten hatte. „Das bedeutet, dass wir 36 Millionen Maßeinheiten Coca-Cola verkauft haben. Wir rechnen mit 200.000 US$ netto und wir besitzen Immobilien im Wert von 50.000 US$. Und das, obwohl wir 48.000 US$ in Werbung investiert haben, 38.000 US$ in Vergütungen und 11.000 US$ in Zwangssteuern aufgrund des Krieges. Wir hoffen, diese ungerechtfertigten Steuern wiederzubekommen und werden vor Gericht gehen, um das zu erreichen.“

1891 wurde die Werbung aggressiver. Die „Coca-Cola-Girls“ erschienen auf Kalendern und öffentlichen Plakaten, die über Jahrzehnte zu sehen sein sollten. Die attraktiven und halbnackten Frauen sollten mithelfen, den Verkauf des Erfrischungsgetränkes unter der männlichen Bevölkerung, vor allem in Zeiten des Krieges, zu steigern. 1892 sah Candler darin eine Goldmine und beschloss, die Marke registrieren zu lassen. Als er aber zum Patentamt kam, erwartete ihn eine böse Überraschung: Neun Jahre zuvor hatte schon ein gewisser Benjamin A. Kent aus New Jersey den Namen „Coca-Cola“ registrieren lassen. Dessen Getränk beruhte auf der Grundlage von Kokablättern und Kola, ein „Kräftigungs“-Tonikum, das ziemlich viel Koffein, Kokain und Whisky, bekannt als „Getreideschnaps“, enthielt. Wild entschlossen stürzte sich Candler daraufhin in einen Prozess gegen Kent und gewann. 1893 wurde dann der Name Coca-Cola registriert und das Unternehmen erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung mit unglaublichen Gewinnen.

Für Asa Candler lag die Attraktivität des Getränks zu einem Teil in seiner verdauungsfördernden Wirkung und zum anderen in seiner Werbung: „köstlich, erfrischend, sensationell“, „ein ideales Gehirntonikum“, „das den Melancholischen fröhlich und den Schwächsten stark macht“. Als der Konsum unter den Kindern anstieg, setzte seine Werbung Kinder ein mit dem Slogan: „Wir trinken Coca-Cola“. Die geheime Formel von Coca-Cola ist bekannt unter Code 7x und wird in den Lagerkellern in Atlanta noch immer argwöhnisch bewacht. Der Coca-Cola-Konsum war derart hoch, dass man schon von einer Coca-Cola-Sucht sprach, wenn die Alkoholabhängigkeit überwunden war. Einer seiner Mitarbeiter schlug vor: „Könnten wir nicht einfach das Kokain eliminieren? Ist es denn wirklich so wichtig?“ Darauf antwortete Candler: „Schlagen Sie etwa vor, ich soll die Formel des populärsten Getränks wegen ein paar hysterischen Frauen ändern? Niemals! In Coca-Cola ist nichts Schlechtes!“ Und sein Ehrgeiz wuchs.

Die Straßenbahnen in Atlanta wurden als Werbeträger benutzt. 1894 wurden per Post Coupons verschickt, die in Lokalen und Bars, die mit Werbungen der Firma ausgestattet waren, gegen eine Coca-Cola gratis eingelöst werden konnten. Die Eigentümer hatten das Gefühl, ihren Laden mit dieser Werbungen dekorativ zu gestalten. In jenem und dem darauf folgenden Jahr wurden damit über 7.000 US$ eingenommen, was über 140.000 Gratisgetränken entsprach. Damals wurde das System, das wir heute kennen, erfunden. Und so begann die Coca-Cola-Sucht mit viel Begeisterung. Mary Gah Humpreys meinte 1894, der Hauptverdienst von Coca-Cola sei der „demokratische“ Charakter: „... ein Armer trinkt Bier, ein Millionär trinkt Champagner, aber sicher trinken alle beide Coca-Cola“. Im selben Jahr erfand Caleb Bradham Pepsi, ein Tonikum mit Pepsin, einem Enzym, das bei der Proteinverdauung mithilft. Aber das lief nicht besonders gut und später, im Jahre 1922 -  er besaß nur zwei Abfüllanlagen in den Vereinigten Staaten - sollte er versuchen, das Unternehmen an Coca-Cola zu verkaufen. Die Firma Coca-Cola beging einen schweren Irrtum: Sie kaufte nicht und heute ist das ihr stärkster Konkurrent.

Wir kommen in dieser Geschichte zum Jahre 1895, als Candler verkündete, dass Coca-Cola im gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten verkauft würde. Vier Jahre später gelangte das Produkt erstmalig ins Ausland und wurde auf Kuba verkauft. 1897 begann der Verkauf auf Hawaii und in Kanada. 1898 wurden über eine Million Werbeartikel mit dem Slogan „Trinken Sie Coca-Cola. Köstlich und erfrischend“ verteilt. Zwischen 1894 und 1899 eröffnete Candler fünf neue Niederlassungen und Fabriken, die den Sirup herstellten, in Dallas, Chicago, Los Angeles, Philadelphia sowie ein Büro in New York. Die Städte Philadelphia und Chicago schienen zu Beginn des 20. Jahrhunderts „Coca-Cola-Städte“ oder Niederlassungen des Unternehmens zu sein. Überall war seine Werbung präsent. Aber nicht nur die Kultur, Gewinnstreben und die Werbung spielten eine Schlüsselrolle dabei, Coca-Cola in ein führendes Unternehmen zu verwandeln, auch die Religion und Riten, das Gefühl der lokalen und universellen populären Religiosität: Coca-Cola, bei den Riten der Indigenen Chamulas in Chiapas bis hin zum Nikolaus auf der ganzen Welt. Dafür gab es einen großen Verbündeten: den Bruder Warren Candler, Bischof der Methodistenkirche. Er  half dabei, den Kapitalismus mit Religion und dem für die nordamerikanische Kultur so typischen Patriotismus gleichzusetzen. Bis hin zu Bush ist es bisher jedem nordamerikanischen Präsidenten gelungen, die Leidenschaft durch eine Verquickung von Patriotismus mit Gott und Religion zu entfachen.

Am 28. Dezember 1899 versammelten sich zum ersten Mal alle Angestellten der Firma. Insgesamt 20 Personen. Der Bischof war bei den Versammlungen mit dem Personal von Coca-Cola wegen der Indoktrinierung Vorsitzender. Coca-Cola war „Ein Getränk, das der Himmel geschickt hat!“ Wie „ein Missionar, der in die Fremde geht, um die Glaubensgrundlagen zu lehren, so muß der Coca-Cola-Mensch ein praktisches und unternehmerisches Individuum sein.“ 1904 schrieb er ein Buch, in dem er bestätigte, dass die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer erneuernden Religion dazu bestimmt seien, die Welt anzuführen. „Der Katholizismus hat den Süden Europas und Lateinamerika zu dem gemacht, was sie heute sind; Dem Protestantismus ist in England, Deutschland, Holland und Nordamerika etwas anderes gelungen. In anderen Worten, Gott war auf unserer Seite, zumindest lächelte er den Nordamerikanern zu, die dabei waren, Geld zu machen“. Eines der Lieblingsargumente von Bischof Candler war, dass „die Diskrepanzen zwischen Kapital und Arbeitskraft unter den nicht-evangelisierten Völkern des kontinentalen Europas größer waren“. Er versicherte, dass die Pastoren im industriellen Zeitalter notwendig seien: „Was sie erreicht haben, um den Antagonismus des Sozialsystems auszugleichen und die größten Unruhen unter den Arbeitern zu besänftigen, wenn nicht gar zu verhindern, kann nur schwer im richtigen Maße beurteilt werden“. Aus diesem Grunde organisierten sich die Angestellten von Coca-Cola nie gewerkschaftlich. In den ersten zwei Jahrzehnten, zumindest bis 1910, sollte die Anzahl der Arbeitnehmer 30 nicht übersteigen und diese gehörten keiner Gewerkschaft an. Die Gewerkschaften waren immer erbitterte Feinde der Firma Coca-Cola und sollten sogar später, wie wir sehen werden, dafür sorgen, dass sie des Mordes an Gewerkschaftsführern beschuldigt werden würde.

Asa, beraten von seinem Bruder Warren, überreichte der Emory Universität, die später von Oxford nach Atlanta verlegt wurde, eine Million Dollar. Vor seinem Tod ließ er dieser Universität über 8 Millionen US$ zukommen. Zwischen 1900 und 1910 vergrößerte Candler sein Unternehmen.  Sein Ehrgeiz und seine Macht waren maßlos. Er schuf die Investitionsgesellschaft Candler und begann, in Atlanta Immobilien zu kaufen. Er baute das Candler-Hochhaus mit 17 Stockwerken, 6 Aufzügen, kunstvollen Wasserspeihern, blankem Marmor, Mahagoniholz, Bronze und großen Kristallkandelabern. Im ersten Stock befand sich die von Candler gegründete Bank, die Central Bank and Trust Corporation. In den  Eckstein des Gebäudes stellte er ein Kästchen mit seinem Bild und eine Flasche Coca-Cola. Er sorgte für  Unsterblichkeit. Er und sein Name waren in den gesamten Vereinigten Staaten präsent. In den Städten Kansas, Baltimore und New York zog er Wolkenkratzer hoch, alle mit dem Namen ‚Candler-Hochhaus‘. Der Turm in New York, der zur 42. Straße zeigte, hatte 25 Stockwerke.

Durch seine Eisenbahnkonsortien reiste er kostenlos in alle Richtungen und sorgte dafür, dass in allen Zugrestaurants Coca-Cola verkauft wurde. Als der Baumwollpreis einbrach, baute er ein riesiges Lager und kaufte den Produzenten die Überschüsse billig ab. Als sich die Marktlage verbesserte, verkaufte er die Baumwolle zu einem guten Preis und vergrößerte damit seinen Gewinn. Während der Krise 1907 kaufte er so viele Immobilien wie möglich und hielt ihr so stand. Im selben Jahr hielt er einer Kampagne stand, die von der Vereinigung Christlicher Mütter für Abstinenz angeführt wurde. Sie argumentierten, dass ein Soldat, der 6 Flaschen Coca-Cola am Tag trinkt, diese selbe Menge an Alkohol zu sich nimmt. Das führte dazu, das die Armee der Vereinigten Staaten den Konsum des Erfrischungsgetränkes verbot. Dennoch hielt sich die Firma und ihre Verkaufszahlen stiegen. Candler galt als großer Unternehmer mit Visionen, ja sogar als Held.

Für die Arbeiter und Gewerkschaftsführer aber war Candler ein Gauner. 1908 versammelte sich die Nationale Arbeitskommission für Minderjährige in Atlanta, um gegen die übelsten Bedingungen zu protestieren, unter denen er seine Arbeiter in den Baumwollhallen hielt, wo die Frauen und Minderjährigen mehr als 14 Stunden täglich arbeiteten und für 50 Cent pro Tag Baumwolle bearbeiteten. Aber Candler war Präsident der Handelskammer von Atlanta. Dort hielt er einen zynischen Vortrag: „Arbeit für Minderjährige kann, wenn sie in geeigneter Weise gehandhabt wird und unter angemessenen Bedingungen und im angemessenen Umfeld stattfindet, für jede Nation ein Grund zum Erfolg sein (...) Das beste Schauspiel, das wir sehen wollen, ist die Arbeit der Jüngsten. In Wirklichkeit gilt, je eher ein junger Mensch zu arbeiten beginnt, umso schöner und vorteilhafter wird sein Leben sein“. Er schloss und sagte, dass es die Aufgabe der Kommission sei sicherzustellen, dass die Arbeit die Minderjährigen zu ehrenwerten, zuvorkommenden und arbeitsmäßig kompetenten Erwachsenen macht.

1904 verkaufte Coca-Cola seine erste Million Gallonen (3.785.000.000 Liter). Damit wir eine Vorstellung davon bekommen: wenn jemand täglich zwei Liter Wasser trinkt, entspräche diese Menge dem täglichen Wasserverbrauch von 1.892.500.000 Menschen (1 Millarde 892 Millionen 500.000 Menschen). Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, entspräche das dem täglichen Wasserverbrauch einer Person über 5.184.931 Jahre (5 Millionen 184 Tausend 931 Jahre), wenn sie es erleben würde.

1910 zog das Unternehmen Coca-Cola um und vergrößerte sich. Asa Candler ordnete an, dass die ersten Aufzeichnung von Coca-Cola verbrannt werden sollten. 1914 wusste Candler nicht mehr, was er mit den Cola-Erfrischsgetränke-Herstellern der Konkurrenz machen sollte. Und er beschloss, die Verpackung zu ändern. 1915 nahm er die Firma Root-Glass unter Vertrag, die auf der Suche nach Inspirationen für das Design der neuen Flasche in der Enciclopedia Britanica nach Illustrationen der Bestandteile des Getränks suchte. Allerdings verwechselte sie Kokablätter mit Kakaoblättern und man beschloss, die Form des Samens zu kopieren. Sie stellten die Flaschen in den Ofen und ohne es zu wollen kam das heraus, was wir heute kennen.  Die Firma akzeptierte das neue Design 1916. Allerdings war die Geschichte für manche Biografen anders, die wissen, dass Coca-Cola die weibliche Figur als Sexualobjekt im Werbemarkt verwendete. Für sie musste nur eine einzige Bedingung für das neue Design erfüllt werden: Dass sie sofort erkannt wird, im dunkeln oder von einem Blinden oder selbst, wenn sie zu Bruch geht. Sie musste inspiriert sein von einem Frauenkörper, dem der berühmtesten Schauspielerin der damaligen Zeit, Mae West. Ihre Kurven sollten die von Coca-Cola sein. Dies gab der Flasche den Ruf „der Großen Dame“.

Kommen wir schließlich zum Jahr 1916. Coca-Cola war schon eine Legende. Doch begann eine dritte Ära, als sich Asa Candler nach 18 Jahren als Präsident des Unternehmens Coca-Cola zurückzog. Ein Jahr später, 1917, vor dem Ende des Ersten Weltkrieges, sank die Produktion und der Konsum von Coca-Cola aufgrund der Zuckerrationierung. Damals begannen Ernest Woodruff, Präsident der Sparbank von Georgia und seine Bankergruppe mit den Vorstandsmitgliedern der Nationalbank Chasse und der Anlagenbank New Yorks zu planen, wie sie sich des Unternehmens Coca-Cola bemächtigen könnten. Dies sollte das „Meisterstück ihrer (Unternehmens-) Laufbahn“ genannt werden, wobei ihnen „die größte Transaktion des Südens“ der Vereinigten Staaten gelang. 1919 verkaufte die Familie Candler das Unternehmen an die Bank. Ein Jahr später gewann das Unternehmen Coca-Cola einen Prozess gegen die Firma KOKE, als beschlossen wurde, dass Coke ein Synonym für Coca-Cola ist. So war für das Unternehmen der Weg zum Wachstum in den kommenden Jahrzehnten frei.

Du wirst es nicht glauben...

-          Der Sohn von Asa Candler hielt auf seiner Finca vier Elefanten mit den Namen: Coca, Cola, Erfrischend, Köstlich.

-          Neben dem Gringo-Ausdruck „Okey“ ist Coca-Cola das bekannteste Wort der Welt.

-          Der erste Mensch, der in seiner Bar ein Glas Coca-Cola verkaufte, war Willy Venable. Er kaufte des Herstellungsrecht und eine Kopie der Originalformel von Coca-Cola.

-          1888 hatte man schon die Abfüllung in Flaschen versucht, aber die Flüssigkeit war nicht stabil genug und zersetzte sich unter Lichteinwirkung. 1899 wurde der erste Vertrag zur Abfüllung in Flaschen unterzeichnet.

-          Coca-Cola News erschien zum ersten Mal im Jahre 1890 und kündigte das Getränk als „ein wohltuendes Tonikum für die Menschheit“ an.

-          Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden schon Kaugummi, Süßigkeiten und  Zigaretten, alle mit dem Logo von Coca-Cola, verkauft.

-          England war das Land Europas, das die erste Sendung Coca-Cola-Sirup erhielt (4 Liter). Andere sagen, es sei Deutschland gewesen.

-          Im Jahre 1901 war Coca-Cola für „Atlanta Constitution“ ein Beispiel für den „Versuch, Vergnügen abzufüllen“.

-          Die erste Anzeige in einer Zeitschrift erschien 1904.

-          1906 wurden die ersten Abfüllanlagen außerhalb der Vereinigten Staaten gebaut, auf Kuba und in Panama.

-          Um 1908 war Sam Dobbs, Verkaufsleiter und Neffe des Präsidenten Asa Candler, aus Sicherheitsgründen gegen den Einsatz der großen elektrischen Schilder. Er erachtete es auch nicht für notwendig, in den jüdischen Vierteln der Vereinigten Staaten Plakate in jiddischer Sprache anzubringen. Er glaubte, es sei unnötig, den Verkauf im Ausland zu lancieren. Aber ja nun, ganz im Gegenteil.

-          Im Jahre 1914 hatte das Unternehmen Wandflächen von über 2.300.000 m² (entsprechend der Oberfläche von 230 Hektar) mit dem Logo der Marke bemalt. Das älteste Bild wurde 1894 in Casterville, Georgia, gemalt und existiert heute noch.

-          1923 starb Frank Robinson, Erfinder des Namens Coca-Cola.

-          Unter den Getränken, die mit einem ähnlichen Namen wie Coca-Cola erschienen sind, befinden sich: Afri-Kola, Cafe-Kola, Candy-Cola, Carbo-Cola, Celery-Cola, CocaBeta, Coke-Ola, Cola-Coke, Cold-Cola, Four-Cola, Cherry-Cola, Hayo-Cola, Jacob's-Cola, King-Cola, Koka-Nola, Koke, Kola-Kola, Loco-Kola, Mexicola, Nerv-Ola, Nifti-Cola, PauPau-Cola, Penn-Cola, Pepsi-Cola, Prince-Cola, QuaKola, Rococola, Roxa-Cola, Sherry-Cola, Silver-Cola, Sola Cola, Star-Cola, Taka-Cola, Toka-Tona, True-Cola, Vani-Cola, Vine-Cola, Wine-Cola und Big Cola, neben vielen anderen.

-          Einige der Werbesprüche, die Coca-Cola verwendet hat, lauten: „Der Funke des Lebens“, „Das erfrischendste Getränk der Welt“, „Die Pause, die erfrischt, Coca-Cola... so gut“, „Coca-Cola erfrischt besser“, „Die beste Wahl“, „Immer Coca-Cola“, „Coca-Cola ist so ...“, „Alles geht besser mit Coca-Cola“, „Trinken Sie Coca-Cola“, „Coca-Cola... das Gefühl zu leben“, „Köstlich und erfrischend“, „Gut bis zum letzten Schluck“, „Eine Coca-Cola und ein Lächeln“, „Es lebe das Gefühl“, „Das Zeichen guten Geschmacks“, „Coca-Cola hilft leben“, „Gut bis zum letzten Tropfen“, „Coca-Cola – erleben Sie es!“ etc.

-          Die ursprüngliche und geheime Formel 7x von Coca-Cola, angeblich den Rezeptbüchern des Erfinders, John S. Pemberton, entnommen, nennt die folgenden Grundzutaten pro Gallone (4,546 Liter pro englische Maßeinheit): Zucker: 2.400 Gramm in genügend Wasser zum Auflösen; Karamell: 37 Gramm; Koffein: 3,1 Gramm; Schwefelsäure: 11 Gramm; entkokainierte Kokablätter: 1,1 Gramm; Colanüsse: 0,37 Gramm. Gemäß den Anweisungen sollen die Kokablätter und Kolanüsse in 22 Gramm 20%igen Alkohols getränkt werden, dann filtriert und hinzugefügt werden. Danach 30 Gramm Limettensaft hinzufügen, 19 Gramm Glyzerin, 1,5 Gramm Vanilleextrakt, 0,47 Gramm Orangenessenz, 0,88 Gramm Limonenessenz, 0,07 Gramm Muskatnussessenz, 0,20 Gramm Chinazimtessenz, eine Prise Korianderessenz, eine Prise Neroliessenz, 0,27 Gramm Limettenessenz. Zur Herstellung: in 4,9 Gramm 95%igen Alkohol mischen, 2,7 Gramm Wasser hinzufügen, 24 Stunden bei 60 Grad Fahrenheit ruhen lassen, bis sich die trübe Schicht absetzt. Dann nimmt man den klaren Teil der Flüssigkeit und fügt ihn dem Sirup hinzu. Genügend Wasser hinzufügen, um 1 Gallone Sirup herzustellen. Eine Unze Sirup wird mit kohlensäurehaltigem Wasser gemischt und ergibt 6,5 Unzen fertiges Getränk.

-          Einige der konsultierten Quellen geben an, dass, theoretisch, nur zwei Personen das Rezept und die korrekte Mischungsart aller Inhaltsstoffe genau kennen. Sie reisen nie zu zweit, sind nie am selben Ort, nehmen nicht das gleiche Essen zu sich, schlafen nicht im gleichen Hotel und trotz der Mystik und Paranoia, die um die bekannte Formel geschaffen wird, ist der, der jede und alle Zutaten kennt oder auch nicht, überhaupt nicht von Bedeutung.

Quellen: Luis Capilla, “Las Multinacionales, Voraces Pulpos Planetarios”; Coca-Cola Company; Joan Bonet; Tanga Word; CokeWatch; Polaris Institute; Mark Pendergrast, “Dios, Patria y Coca-Cola”; Alison Gregor, “Coca-Cola: La religión global “Coca Cola, una historia empresarial de terror y crimen”, Sinaltrainal/Rebelión”, 3 de septiembre del 2002; Grupo de Apoyo Suiza, “Colombia Nunca Más”; SINALTRAINAL; Boletín Informativo Comercio y Desarrollo, No.10, Abril 2002, Guatemala.

Gustavo Castro Soto
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