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Chiapas al Día, No. 455
CIEPAC
Chiapas, México
2. März 2005

Wasser und die letzten Schützengräben

Im Rahmen des von der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds angestoßenen neoliberalen Privatisierungsprozesses befinden wir uns in den letzten Schützengräben. Das große Kapital wird seine Reißzähne einsetzen, um an die absolute Kontrolle und den maximalen Gewinn zu kommen: die Biodiversität (das genetische Material), Sauerstoff und Wasser.

Mais-, aber auch Wassermenschen

Über 70% unseres Körpers besteht aus Wasser. Alle Lebewesen, alle Pflanzen, alle Tiere, Mann und Frau brauchen Wasser um zu existieren. Wasser ist ein öffentliches (und kein kommerzielles) Gut, das wir alle zum Leben brauchen. Unser Körper kann keine 10 Tage überleben ohne das Wasser, das durch unsere Adern fließt. Wasser ist für alle Kulturen dieser Welt. Deshalb hat es weder einen Geruch, Geschmack noch eine Farbe, denn es unterscheidet nicht nach Sprache, Rasse oder Lebewesen. Wir haben alle ein Recht darauf. Wenn unser Körper 10% seines Wassers verliert, ist unsere Gesundheit in Gefahr. Doch bei einem Verlust von 20% sterben wir. Wir müssen täglich 3% unseres Körpergewichts an Wasser zu uns nehmen. Deshalb ist der Zugang zu Wasser nicht nur ein Menschenrecht, sondern etwas viel Radikaleres. Wir sind in einer grundlegenden, notwendigen und lebensspendenden Weise ans Wasser gebunden. Wasser vereint uns alle. Niemandem kann Wasser verwehrt werden. Wasser muss Frieden bringen, muss ein Symbol des Friedens sein. Ohne Wasser entsteht, wächst, entwickelt sich kein Leben. Wasser bedeutet somit Entwicklung und Wachstum.

Wo gibt es Wasser?

71% der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Hinzu kommen die Millionen Tonnen Wasserdampf, die sich in der Atmosphäre befinden. 97% des gesamten Wasservorkommens auf diesem Planeten ist salzhaltig und bildet die Meere und Ozeane. 0,5% bildet die Oberflächenfeuchtigkeit und den Wasserdampf der Erdatmosphäre. Der Rest, nur 2,5%, ist Süßwasser, das wir trinken können. (1) Und ein Drittel dieses Süßwassers (33%) ist Fließwasser, allerdings befindet sich nur ein kleiner Teil davon in irgendeinem Fluß dieser Welt (1,7%). Noch schlimmer ist, dass 60% dieser Flüsse gestaut wurden, was den Kreislauf des Wassers blockiert. Der andere Teil des Süßwassers fließt unterirdisch, ist unterirdisch gestaut oder bildet oberirdisch Seen oder Lagunen. Das bedeutet, dass von 100 Wassertropfen 97 Salzwasser sind und nur 3 Süßwasser. Gewisse Quellen besagen, dass sich in Brasilien 17% des Süßwassers befindet, in Russland 11%, in Kanada 7%, in China 7%, in Indonesien, den Vereinigten Staaten und Bangladesch jeweils 6%, in Indien 5% und in den restlichen Ländern dieser Welt 35%.

Wasser und Tod

Jedes Jahr sterben 11 Millionen Menschen an Wassermangel oder an Krankheiten, die durch Wasser übertragen werden. 11 Millionen, das entspricht der gesamten indigenen Bevölkerung Mexikos, der Gesamtbevölkerung Guatemalas und mehr als der Bevölkerung El Salvadors. Auf der anderen Seite geht man davon aus, dass etwa 65% der Personen, die in Krankenhäuser eingewiesen werden, und 80% der Arztbesuche auf Krankheiten zurückzuführen sind, die durch Wasser übertragen werden. Und man hat errechnet, dass 80% der Krankheiten und 33% der Todesfälle auf das Konto der Trinkwasserkrise gehen. (2) Die Hälfte der Erdbevölkerung leidet heute unter Hygienemangel, Millionen Menschen sterben an Krankheiten aufgrund verschmutzten oder verseuchten Wassers. 3,3 Milliarden Menschen leiden unter verseuchtem Wasser. Jedes Jahr erkranken über 300 Millionen Menschen an Malaria, Gelbfieber, Diarrhö, Amöbenruhr, Denguefieber, Typhus, Cholera u.v.m.

Schlechte Wasserkultur

Mit Wasser wird nachlässig umgegangen und es herrscht eine schlechte Verteilung. Es wird vergeudet, weggeschüttet, die Wasserhähne werden nicht geschlossen. Flüsse werden gestaut. Wir legen Senken und Feuchtgebiete trocken, ja sogar die Mangroven, in denen das Leben entstand. Es fehlen auch nicht die, die es sich unter den Nagel reißen oder ein Geschäft damit machen wollen. Während die einen Millionen Liter Wasser verbrauchen, wegschütten oder vergeuden, verdursten die anderen. Der Wasserverlust durch Leckagen, illegale Leitungen und Konstruktionsfehler ist enorm. In asiatischen Städten kann  der Verlust 35 bis 40%, und in einigen Städten sogar 60% erreichen. (3) Wir verstehen es rundweg nicht, uns um unsere Gesundheit zu kümmern. Manche sagen sogar, dass sich die Erde nicht mehr so dreht wie sie sollte, weil ihr Blut, das Wasser der Flüsse, nicht mehr fließt. Und jedes Jahr werden zwischen 3.800 und 4.300 km³ Süßwasser aus den Seen, Flüssen und den wasserführenden Schichten der Erde geholt, doppelt so viel wie vor 50 Jahren.

Wenn Wasser knapp wird, gehört es dem Volk

Wenn auch von Klima und Kultur abhängig, so braucht im Schnitt doch jeder Mensch 50 Liter Wasser am Tag, das entspricht 18.250 Liter jährlich (oder etwas über 18,25m³ pro Jahr). Dies schließt Trinkwasser (mindestens 2,5 Liter unter normalen Bedingungen), Wasser für die Hygiene, zum Waschen und für die Nahrungszubereitung ein. Während allerdings in den Vereinigten Staaten jede Person im Schnitt 400 Liter täglich verbraucht, verbraucht in Neu Delhi, Indien, eine arme Familie mit allen Familienmitgliedern zusammen insgesamt 700 Liter. Im Jahr 1990 hatten 1,4 Milliarden Menschen nicht einmal so viel Wasser täglich zur Verfügung, das bedeutet 16 Mal die gesamte Bevölkerung, die im Raum des Plan Puebla-Panama (PPP) lebt. Über 2,5 Milliarden Menschen verfügen über keinerlei Wasseraufbereitung.

Der mittlere Wasserverbrauch pro Person beträgt in den Vereinigten Staaten jährlich 110.000 Liter, in Japan 104.000 Liter, in der Schweiz 96.000 Liter, in Kanada 93.000 Liter, in Italien 78.000 Liter, in Griechenland 40.000 Liter, in Indien 9.000 Liter und im Sudan 7.000 Liter. Es liegen Welten zwischen den armen und reichen Ländern, was die Wasserverteilung anbelangt. Wir können sagen, dass, verglichen mit den Haushalten der reichen Länder, in den bestsituierten Haushalten von Entwicklungsländern die mittlere Wassermenge von 4 bis 14 Personen mehr genutzt wird. Sprechen wir nicht von den Hotels mit ihren Unterkünften, die jeden Tag Hunderte von Handtüchern und Leintüchern waschen, oder von den Restaurants, Golfclubs, Textilfabriken und –maquiladoras oder Minen.

Für die arme Stadtbevölkerung ist die Dienstleistung Wasser von schlechter Qualität und oft zahlt sie an die Wasserunternehmen überhöhte Preise. Und der Nachfrage in der Stadt wird oft Vorrang vor der auf dem Land eingeräumt. (4) Von den 6,1 Milliarden Menschen, die auf der Erde leben, hat über 1 Milliarde keinen Zugang zu sauberem und gesundem Wasser. Theoretisch gibt es genug Wasser für 20 Milliarden Menschen. Aber in den Städten der armen Länder haben 70% der Armen kein Trinkwasser.

Nach einer Studie von Manos Unidas beträgt der mittlere Wasserverbrauch pro Person und Tag in den industrialisierten Ländern 3.500 Liter, während er in den armen Ländern zwischen 2 und 5 Liter beträgt. Laut Guía del Mundo mit Sitz in Uruguay verfügen derzeit über 500 Millionen Menschen über fast gar kein Trinkwasser und man schätzt, dass es im Jahr 2025 250 Millionen sein werden.

Hier wird auch bestätigt, dass in den Ländern des Südens jährlich 6 Millionen Kinder durch den Genuss verunreinigten Wassers sterben. Wenn auch jede Quelle eigene Zahlen aufweist, so bleibt die Situation doch alarmierend, wohin man auch blickt. Zum Beispiel: weltweit wird 85% des Wassers von 12% der Bevölkerung verbraucht. Das bedeutet, dass sich 88 Personen 15 Liter Wasser teilen, während 12 Personen 85 Liter verbrauchen. Jeder fünfte weltweit (20%) verfügt über kein sauberes Trinkwasser. Innerhalb weniger Jahre werden es 30% sein. Es sind die Frauen, die das Wasser in den armen Ländern und in den Entwicklungsländern am teuersten bezahlen. Sie sind es, die in der Familie die meiste Zeit opfern, um sicherzustellen, dass es zuhause Wasser gibt. Zusammen mit den Kindern holen sie das Wasser vom Fluss, vom Brunnen, von der Quelle, vom See oder holen es von Pflanzenblättern.

Wasserintensive Sektoren

Die Landwirtschaft verbraucht 67%, die Industrie 20% (dies entspricht der gesamten hydroelektrischen Produktion weltweit) und die Gemeinden und Haushalte verbrauchen 10%. Viele Städte oder Unternehmen wie Coca-Cola beuten die Grundwasservorkommen aus, die im Lauf von Jahrhunderten entstanden sind. Und viele Unternehmen, die in der sogenannten Entwicklungsarbeit aktiv sind, trocknen mit ihren Konstruktionen Flüsse aus, bauen Stauseen oder verbrauchen für die Herstellung ihrer Produkte viel Wasser, wie die Automobil- oder Textilindustrie, der Bergbau etc. Führen wir einige Beispiele auf: Wieviel Liter werden gebraucht, um 1 Tonne Zucker herzustellen: 1,8 Mio Liter; eine Tonne Zement: 3.500 Liter; eine Tonne Wolle: 550.000 Liter; eine Tonne Gerste: 500.000 Liter; eine Tonne Stahl: 250.000 Liter; eine Tonne Papier: 220.000 bis 380.000 Liter; eine Tonne künstlicher Gummi: 1,4 Mio Liter; ein Fahrzeug der Marke Ford: 400.000 Liter. Oder zum Baden: 90 Liter; zum Trinken pro Tag: 2,5 Liter; zum Waschen von 10 kg Wäsche: 140 Liter; zum Zähne Putzen für die Dauer einer Minute, ohne den Hahnen zu schließen: 6 Liter; zum Geschirr Spülen für die Dauer von 15 Minuten, ohne den Hahnen zu schließen: 90 Liter; und für einen Toilettengang: 6 bis 20 Liter.

In Afrika, Asien und Lateinamerika ist die Landwirtschaft mit einem Prozentsatz von 85 Hauptwasserverbraucher. Überall auf der Welt, außer in Ozeanien, kommen die Haushalte auf weniger als 20% des Wasserverbrauchs. In Lateinamerika und in der Karibik leben 510 Millionen Menschen, von denen 76 Millionen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben. In Dörfern und Städten wird es knapp. 1995 lebte 46% der Weltbevölkerung in Stadtgebieten und diese Zahl könnte innerhalb von 30 Jahren auf 60% steigen, und zwar hauptsächlich in den armen Ländern und den Entwicklungsländern, wo 25 bis 50% der Stadtbewohner in armen und gefährdeten Siedlungen leben. Im Jahr 2025 wird 70% der Weltbevölkerung nicht genügend Wasser haben. Das entspricht 3,5 Milliarden Menschen, die in Ländern mit Wassermangel leben.

Wie die Konzerne Wasser plündern

Die Wassermafia will, dass Wasser ein käufliches Gut wird. Die Welthandelsorganisation und die Multilaterale Bank oder die sogenannten Internationalen Finanzinstitutionen (Instituciones Financieras Internacionales IFI) wie die Weltbank, der Internationale Währungsfonds und die Interamerikanische Entwicklungsbank sind die wesentlichen Institutionen, die die lebensnotwendige Flüssigkeit in die Hand der Unternehmen geben wollen. Zwei von denen, Bechtel und Monsanto, beide aus den Vereinigten Staaten, versuchen, Wasser in verschiedenen Ländern, wie Indien, Bolivien und Mexiko zu privatisieren und zu kontrollieren. Die Unternehmen Vivendi und Suez bemächtigen sich des Wassers und kontrollieren den Zugang zu Trinkwasser von über 100 Millionen Menschen weltweit.

Mit dieser wilden Privatisierung will man das Leben von Milliarden Menschen in die Hand weniger bringen. In Argentinien und Chile wurden schon viele Flüsse für den ausschließlichen Verbrauch der großen transnationalen Konzerne privatisiert. Die Weltbank verpflichtete Bolivien dazu, seine Wasserversorgung zu privatisieren. Diese wurde durch Bestechung von der US-Firma Bechtel gekauft, die die Wasserversorgung der Stadt Cochabamba übernahm. Unmittelbar nachdem Bechtel die Kontrolle über die Wasserversorgung übernommen hatte, wurde der Zugang zu Wasser erschwert und die Preise stiegen um 40%. Aber das Volk hat dann durch seinen Widerstand und seine gute Organisation die Trinkwasserversorgung wieder in die eigene Hand bekommen.

In den letzten zehn Jahren haben die Regierungen den Zugang zu den Dienstleistungsbereichen Wasser, Abwasser, Reinigung, Export und Technologie im Zusammenhang mit Wasser privatisiert. Im Jahr 2000 verpflichtete der IWF 16 unterentwickelte Länder zur Privatisierung von Wasser. Unter diesen Ländern befanden sich Angola, Benin, Guinea-Bissau, Honduras, Nicaragua, Nigeria, Panamá, Ruanda, Santo Tomás und Príncipe, Senegal, Tanzania und der Yemen. Wie wir sehen, sind zumindest drei Länder Zentralamerikas und acht Länder Afrikas südlich der Sahara dabei. Alle weisen den gleichen gemeinsamen Faktor auf: verarmt und bei den multilateralen Banken schrecklich verschuldet. Diese Lage ermöglicht es sowohl der Weltbank wie dem IWF, diesen Ländern ihre eigene Politik schnellstens aufzuzwingen.

In La Soledad, Kolumbien, bekam das spanische Unternehmen Técnicas Valencianas del Agua (Tecvasa), das im eigenen Land keine Investitionen getätigt hat, für zwanzig Jahre die Konzession für die Wasserversorgung. Tecvasa kontrolliert in Lateinamerika ein Gebiet mit neun Millionen Einwohnern, bei einem Gesamtumsatz von 180 Millionen Dollar im Jahr 2001. Das Unternehmen wurde 1999 gegründet, um bei der Privatisierung der Wasserversorgung in Lateinamerika mit in den Ring zu steigen. Schon drei Jahre nach der Gründung verfügte es über vier Niederlassungen: Metroagua in Santa Marta (Kolumbien), AAA Dominicana (Santo Domingo, Dominikanische Republik), Amagua im Kanton Zamborondón (Ecuador) und AAA Venezuela, im Staat Zulia.

In Mexiko haben nach öffentlichen Zahlen über 12 Millionen Mexikaner keinen Zugang zu Trinkwasser; das entspricht der gesamten Bevölkerung Guatemalas. Auch die Regierung Fox hat in Mexiko den Wasserprivatisierungsprozess mit der wirtschaftlichen Unterstützung der Weltbank und anderer nordamerikanischer Banken eingeleitet. Der Multi Suez hat viele Privatisierungsangebote in verschiedenen mexikanischen Städten bekommen, ebenso wie Vivendi und Bechtel, verdeckt unter dem Namen Unites Utilities. In all diesen Städten werden die Armenviertel nicht mehr ihre fixen Wasserpreise haben – diese werden steigen und die Armut in den Elendsgürteln noch vergrößern.

Der Krieg ums Wasser

Wassernutzung berührt die internen und externen Beziehungen von Nationen: Land- und Stadtbevölkerung, Interessen flussauf und flussab, die Bereiche Landwirtschaft, Industrie und Haushalte, persönlicher Bedarf und die Forderungen nach einer gesunden Umwelt. Aus diesem Grund wird der Streit um den Zugang zu Wasser und die Kontrolle darüber der Grund für viele Kriege weltweit sein.Das ist nicht neu. Vor 4.500 Jahren verhandelten die sumerischen Stadtstaaten von Lagash und Umma, um die Auseinandersetzungen um das Wasser des Flusses Tigris zu beenden. Seit dem Jahr 805 sind über 3.600 Verträge rund ums Wasser dokumentiert, und zwar in den Bereichen Schifffahrt, elektrische Energie, Fischfang, Bewässerung, Grenzziehung, Zugang zu Quellwasser etc.. Zirka 300 von ihnen haben nichts mit Schifffahrt zu tun, sondern mit Wassermengen und der Wasserqualität sowie Hydroenergie. Viele von ihnen beschränken sich auf relativ wenige Aspekte. Sie stellen keine Richtlinien für eine umfassende Verwaltung dieses Rohstoffes im Tieflandgebiet auf. In dem Maße, in dem sich der Druck bezüglich der Nutzung dieser Ressource verstärkt, kann man darauf warten, dass die Konflikte ums Wasser zunehmen und eine größere Zusammenarbeit erforderlich machen werden. (6)

Zwischen 1820 und dem Jahr 2000 wurden über 400 Abkommen unterzeichnet, die Wasser als einen wertvollen, teuren, knappen und begrenzten Rohstoff handeln. Zwischen 1948 und 2002 wurden 1.831 Interaktionen auf Grund von Wasser registriert, von denen 1.228 kooperativen Charakter hatten und zur Unterzeichnung von 200 Verträgen zur Wasserverteilung und dem Bau neuer Staudämme führten. Es wurden 507 Konflikte registriert, von denen 37 gewalttätiger Art waren, 21 eine Militärintervention verursachten sowie 30 zwischen Israel und seinen Nachbarn. Kriege und Konflikte verschiedener Art wurden in Israel, Jordanien, Syrien, Palästina, Ägypten, dem Yemen, im Irak und in Kuwait verzeichnet. Die Vereinigten Staaten machen Mexiko das Wasser auch streitig und dasselbe tun sie im Dreiländereck Argentinien, Uruguay und Paraguay. Konflikte gibt es auch in den Tiefländern des Aralsees, des Jordans, Nils sowie Euphrat und Tigris. Der Tendenz folgend wird es in Zukunft Konflikte um die Flüsse Lempa, Bravo, Ganges, Kunene, Río de la Plata, Mekong, Oranje, Senegal, Tumen, Sambesi, Limpopo, Han, Incomati, Usumacinta sowie am Tschadsee und anderen geben können. Derzeit geht man weltweit von 640 heftigen Konflikten auf Grund des Zugangs zu Wasser aus.

In 145 Ländern gibt es 261 Flussläufe, die die politischen Grenzen von zwei oder mehr Ländern kreuzen. Die Becken entsprechen etwa 45% der festen Erdoberfläche, führen ca. 80% der globalen Flusswassermenge und berühren das Leben von rund 40% der Weltbevölkerung. Bei über 60% dieser Flussläufe gibt es weder Kooperations-, noch Verteilungsverträge oder Verträge bezüglich Wasseraufbewahrung. Von diesen 261 Flussläufen befinden sich 80 auf dem amerikanischen Kontinent, wo sich 14% der Weltbevölkerung und 41% des weltweiten Wasservorkommens sammeln. Seltsamerweise sind in einigen Ländern mit geringem Wasservorkommen viele der transnationalen Unternehmen zu finden, die hinter der Produktion hydroelektrischer Energie und der Privatisierung dieses Sektors her sind. Bis zum Jahr 2025 könnte es eine weltweite Wasserkrise geben. Unter den 15 Ländern mit dem größten „Wasserstress“ (Wasserkrise) befinden sich, der Wichtigkeit nach geordnet: Saudi Arabien, der Yemen, Ägypten, Israel, Korea (Hyundai), der Irak, Madagaskar, Spanien (Unión Fenosa, Endesa, Iberdrola), der Iran, Marrokko, Pakistan, Deutschland (Siemens), Italien, Südafrika und Polen. Das ist der Grund, warum die Kontrolle über Wasser zu größeren kriegerischen Konflikten und zu Militarisierung führt.

Im ALCA  (Freihandelsgebiet der Amerikas) und PPP wurde Wasser für die Regierung der Vereinigten Staaten zu einer Angelegenheit der nationalen Sicherheit. Die nordamerikanischen Firmen dringen in das Gebiet ein, indem sie mit Hilfe der US-amerikanischen Militärbasen die strategischen Ressourcen aufkaufen und kontrollieren.

Im Bericht der Weltbank ‚Independent Water Entrepreneurs in Latin America – The other private sector in water services‘ (Unabhängige Wasserlieferanten in Lateinamerika – der andere private Sektor im Bereich Wasserversorgung) wird eine Untersuchung der Privatunternehmen im Sektor Wasser in Lateinamerika gebracht, in Argentinien, Bolivien, Kolumbien, Guatemala, Paraguay und Peru. In den untersuchten Städten bedienen diese Firmen 25% der lokalen Bevölkerung. Die kleinen Firmen haben ein festes Netz (Lieferung durch Rohre), und sie versorgen 14.000 Haushalte. Allerdings sind in Santa Cruz, Bolivien, die Nachbarschaftskooperativen die einzigen Trinkwasserlieferanten für die eine Million Einwohner. Andererseits beliefert die Privatwirtschaft in Córdoba, Argentinien, 10 bis 15% der Bevölkerung mit Wasser; das entspricht 38.200 Haushalten.

Die Alternativen

Es ist unerläßlich, dass die Basisdienstleistung Wasser als öffentliches und nicht privates oder kommerzielles Gut gehandelt wird. Es ist wichtig zu verhindern, dass Wasser unter die Kontrolle und in den ausschließlichen Besitz und den wirtschaftlichen Nutzen der Privatwirtschaft kommt. Man kann soviel Verantwortung hinsichtlich des Lebens der ganzen Menschheit nicht in privater Hand lassen.

Das alles bedeutet, dass Wasser an sich nicht das Problem ist, sondern das Problem hängt mit dem Entwicklungsmodell zuammen, in dem Wasser genutzt wird. Es gäbe keine Wasserprobleme, wenn die Industrie das Wasser, das sie verschmutzt, wieder reinien würdet, bevor sie es in die Flüsse leitet und wenn es keinen Missbrauch bei den Agrochemikalien gäbe, die sowieso eher den transnationalen Konzernen, die sie herstellen, nützen. Wir hätten keine Wasserprobleme, wenn es nicht so viel Rodung wegen großflächiger Monokulturen gäbe oder aufgrund der Abholzung von Millionen Hektar Wald, um den großzügigen Papiermarkt in den Ländern des Nordens zu befriedigen. Wir hätten auch keine Wasserprobleme, wenn wir nicht so viele Flüsse stauen würden, um die Wasserversorgung der großen Städte zu rechtfertigen, wo Wasser in den Leitungen oder durch Missbrauch verschwendet wird, oder um so viel Elektrizität zu erzeugen, die in den entwickelten Ländern noch mehr vergeudet wird. Vor dem Hintergrund der Verschwendung ist eine neue Wasserkultur notwendig. Ein Umgang, der auf Vorsicht und Sparsamkeit basiert und auf Kriterien der Gerechtigkeit in der Verteilung. Es gibt Wasser für alle Menschen dieses Planeten.

Wir müssen wieder traditionelle Formen der Wassergewinnung finden, Formen, wie wir dezentralisierte Systeme auf dem Land aufbauen und ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell schaffen können. 80% der landwirtschaftlich genutzten Fläche weltweit wird mit Regenwasser bewirtschaftet und trägt mit 60% zur Produktion von Lebensmitteln bei. Man kann den Anbau mit Regenwasser und Rückhaltevorrichtungen ausbauen, Wasservorräte oder Grundwasser wieder auffüllen, Dämme bauen etc. Anstatt so viele unbezahlbare Staudämme zu bauen, können mit diesem Geld die Rohrleitungen repariert und Zisternen modifiziert oder Kampagnen zum sparsamen und sorgfältigen Umgang mit dieser Ressource finanziert werden.

Es gibt einen Streitpunkt. Viele Leute sind der Meinung, dass wir alle für das Wasser, das wir verbrauchen, bezahlen müssen. Kann man den Wasserverbrauch mit dem Verbrauch irgendeines anderen Produktes, Ware oder Dienstleistung vergleichen? Kann man das von der armen Bevölkerung verlangen? Morgen werden uns die großen transnationalen Konzerne sagen, dass sie, nachdem sie die Luft aller, die Luft des Planeten verschmutzt haben, die der ganzen Menschheit und jeglicher Lebensform auf diesem Planeten das Überleben sichert, dass sie diese Luft reinigen werden und wir werden Sie dann auch noch, nachdem sie ja die Luft verschmutzt haben, dafür bezahlen müssen. Es ist leicht, von der Bevölkerung zu fordern, dass sie für Wasser zahlen muss, wenn es, weil andere Sektoren sich schon bereichert haben, schwierig ist, Zugang zu Wasser zu haben. Es ist leicht, der Landbevölkerung zu sagen, dass sie für Wasser zahlen soll, wenn die großen Städte billiges Wasser zur Verschwendung auf Kosten gestauter Flüsse und ausgetrockneter Brunnen auf dem Land haben.  Es ist einfach, von der Bevölkerung zu fordern, dass sie für das Wasser zahlen soll, weil die Regierung kein Geld mehr hat, nachdem sie verarmt ist, weil sie dazu verpflichtet wurde, eine neoliberale Politik zu betreiben. Aber so wird auch mit den Bereichen Gesundheit, Bildung und Erziehung und anderen grundlegenden Dienstleistungen argumentiert, die in der Hand des Staates sein müssen und nicht in der Hand der Privatwirtschaft. Denn nicht sie hat die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterschrieben.

(Quelle: Handbuch „No seas Presa de las Represas“, Ciepac, März 2005. Zu mehr Informationen zu Wasser siehe www. bancomundial.org/agua).

[1] www.cepis.ops-oms.org

[2] www.cepis.ops-oms.org

[3] CMR, p.162.

[4] Informe de la Comisión Mundial de Represas (CMR) del año 2000, página 161.

[5] Informe de la Comisión Mundial de Represas (CMR) del año 2000, página 5.

[6] CMR, p.180.

Gustavo Castro Soto
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